Kuratorium

Freude am Unternehmertum Freude am Unternehmertum

November 2006 – Friedrich von Metzler, Eigentümer und Partner des Bankhauses Metzler in Frankfurt, ist ein positiver Mensch. Seit 35 Jahren steht er (zusammen mit anderen) an der Spitze der 1674 gegründeten Bank – in der elften Generation – und hat immer noch viel Freude daran. Doch nicht nur die positive Einstellung können junge Unternehmer von ihm lernen. In unserem Interview erzählt er von Schönheit, Innovationen und von der Bedeutung gut funktionierender Teams.

:unternehmen!: In fast jedem Artikel über Sie und Ihr Haus kommen die Antiquitäten und vor allem dieses legendäre Empire-Sofa im Eingangsbereich vor. (Friedrich von Metzler lacht). Sitzt da jemals jemand drauf?

Metzler: Neuerdings sogar vermehrt, weil noch ein Tisch mit Büchern über das Haus und ein Stuhl hinzugestellt wurden, damit sich jemand, falls er warten muss – was normalerweise nicht vorkommen soll – dort hinsetzen und in den Büchern blättern kann.

:unternehmen!: Wie wichtig sind Ihnen die Antiquitäten?

Metzler: Schönheit belebt doch den ganzen Tag. Ich glaube, sowohl für die Besucher als auch für die Mitarbeiter und ganz besonders auch für mich ist das einfach sehr anregend. Das müssen übrigens nicht nur Antiquitäten sein. Im Gang zu unserem Parkplatz und auch auf den Fluren hängen wunderschöne Ausstellungsplakate der Frankfurter Museen.

:unternehmen!: Also haben Sie nicht nur Bilder Ihrer Vorfahren an den Wänden?

Metzler: Die sind hoffnungslos in der Minderzahl (lacht). Wir haben uns überlegt, ob wir die Ahnen überhaupt hinhängen sollen, denn das ist ja nicht immer und für jeden ein belebendes Element. Aber in zweieinhalb Zimmern haben wir dann doch die Bilder der früheren Partner der Bank aufgehängt, damit der Kunde gleich sieht, dass wir viele Jahre Erfahrung darin haben, wie man Vermögen verwaltet und vermehrt.

:unternehmen!: Sie kümmern sich um das, was für viele das Wichtigste im Leben ist: Geld. Was ist Ihnen persönlich wichtig?

Metzler: Die Zusammenarbeit mit Menschen, die Werte vertreten – und zwar unsere Unternehmenswerte: also Unabhängigkeit, Unternehmertum und Menschlichkeit. Mein Vater hat immer von den drei großen C’s gesprochen, die wichtig sind im Leben: Charakter, Charakter, Charakter.

:unternehmen!: Wie wichtig ist Ihnen Unabhängigkeit?

Metzler: Unabhängigkeit bedeutet Freiheit – in der Meinungsbildung, in der Dienstleistung und in der Beratung. Und daraus ergibt sich dann Glaubwürdigkeit: Wir sind glaubwürdig, weil wir durch unsere Unabhängigkeit keine Interessenskonflikte haben. Wenn der Kunde merkt, dass wir so handeln, wie wir reden, sind wir ihm gegenüber glaubwürdig. Und ich glaube, das ist das Wesen der Unabhängigkeit.

:unternehmen!: Was bedeutet für Sie Innovation?

Metzler: Es ist sehr wichtig, dass wir Technik, die früher mal innovativ war und über die Jahre reif geworden ist, durch neue innovativere Techniken und Produkte ersetzen, um die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik voranzutreiben. Das ist nicht erst seit der Globalisierung notwendig, doch seitdem geht alles noch schneller. Man sollte nicht vergessen: Arbeitsplätze in Deutschland wurden schon in den 50er, 60er Jahren in andere Länder verlagert, die günstiger produzieren konnten. Denken Sie zum Beispiel an die Textilindustrie. Diese Arbeitsplätze mussten ersetzt werden durch Arbeitsplätze in der Produktion von höherwertigen, neuartigen Produkten. Bis auch diese sich wieder zu reifer Technologie entwickeln und die daran hängenden Arbeitsplätze in andere Länder wandern werden. Das ist ein ständiger Prozess. Leider sind wir von diesem Pfad etwas abgekommen. Früher waren die Deutschen stolz auf ihre Innovationen, aber plötzlich bekam man Furcht vor gewissen Neuerungen. Unser Patenunternehmen Dermalog ist das beste Beispiel dafür. Glücklicherweise arbeiten die Spezialisten für diese besondere Technologie der Identifizierung per Fingerabdruck in Deutschland – aber die Kunden sitzen zu rund 90 Prozent im Ausland, weil man hierzulande noch große Bedenken gegen diese Methode hat. Meiner Meinung nach ist das eines der großen Probleme unseres Arbeitsmarktes. Hohe Steuern und die übermäßige Arbeitsmarktregulierung sind auch ein Problem – aber man übersieht dabei, dass wir viel zu wenig Arbeitsplätze in neuen innovativen Technologien geschaffen haben. Das machen andere Länder zurzeit besser.

:unternehmen!: Ein anderer Bereich, in dem uns besonders die USA und Großbritannien voraus sind, ist der Kapitalmarkt. Sie raten vielen Mittelständlern, an die Börse zu gehen. Weil Sie mit der entsprechenden Beratung Geld verdienen?

Metzler: Nein… oder sagen wir: auch. Aber wenn jemand sein Wachstum aus einbehaltenen Gewinnen finanzieren kann, ist das gut. Dann braucht die Firma nicht an die Börse zu gehen.

:unternehmen!: So wie Ihr Haus.

Metzler: Ja, genau (lacht). Aber je stärker das Wachstum eines Unternehmens ist, desto schwieriger kann es sein, dieses Wachstum aus einbehaltenen Gewinnen zu finanzieren. Und dann sollte man sich nicht zu sehr verschulden, sondern lieber Eigenkapital an der Börse holen. Das muss ein normaler Weg in Deutschland werden. Ich glaube aber, es wächst eine Generation heran, die damit umgehen kann.

:unternehmen!: In welchen Fällen würden Sie jungen Unternehmen den Gang an die Börse empfehlen?

Metzler: Das kann man nicht generell sagen. Man muss sich die Firma genau ansehen. Wenn sie solide geführt und solide finanziert ist, und wenn sie eine Strategie und Produkte hat, die eine Zukunft haben, kann man dieses Unternehmen unabhängig von seiner Größe an die Börse bringen.

:unternehmen!: Gibt es bestimmte Branchen, die Sie für nicht zukunftsfähig halten?

Metzler: Nein, es gibt in jeder Branche zukunftsfähige Unternehmen. Grundsätzlich gilt: Man darf nicht in Geschäftsfeldern aktiv sein, in denen man selbst aufgrund seiner Größe einen strukturellen Nachteil hat. Das gilt für alle Branchen – auch für uns Privatbanken. Wir selbst halten uns daran und sind nur in Bereichen tätig, in denen wir unabhängig von unserer Größe mit unseren Wettbewerbern konkurrieren können. Und es gibt noch einen anderen Grundsatz: Man muss vieles anders machen als der Wettbewerb.

:unternehmen!: Was macht also ein erfolgreiches Unternehmen aus? Größe allein ist es offenbar nicht.

Metzler: Ein erfolgreicher Unternehmer überlegt sich jeden Tag: Ist meine Strategie noch richtig? Die Welt ändert sich, wohin verändert sie sich, muss ich strategische Anpassungen machen? Und dann muss man seine Strategie umsetzen. Übrigens: Oft sind Strategien leichter zu entwickeln, als sie hinterher umzusetzen sind. Denn das können sie nicht alleine machen, da müssen Sie die Menschen mitnehmen, müssen Sie die Menschen überzeugen. Das bringt mich zum nächsten wichtigen Punkt: Der Unternehmenskultur. Es ist sehr wichtig, dass die Menschen gerne in Teams zusammenarbeiten. Dass sie sich verstehen und Demut vor der Leistung des Kollegen haben. Daraus ergibt sich dann die Freude an der Zusammenarbeit mit den anderen – und das führt wiederum zum Erfolg des ganzen Teams.

:unternehmen!: Ist ein wesentliches Kriterium für Erfolg auch, dass man sich als Unternehmer eingesteht, dass man nicht alles kann?

Metzler: Wir sind zehn Partner. Und neun Partner haben Wissen, das ich nicht habe. Man kann heutzutage nicht überall Spezialist sein. Das sagt doch schon das alte griechische Sprichwort gnóthi seautón: Erkenne Dich selbst. Das ist das Schwierigste im Leben, aber auch das Wichtigste. Wo hat man seine Stärken, wo hat man seine Schwächen? Sich die einzugestehen ist ja nicht ganz einfach.

:unternehmen!: Sie wirken sehr jovial, freundlich und aufgeräumt, wo sind Ihre Schwächen? Werden Sie auch mal wütend?

Metzler: Nicht gerade wütend, aber doch ungehalten. Wenn ich selbst etwas vergesse, oder jemand anderes etwas vergisst. Zum Beispiel wenn man interessante Pläne geschmiedet hatte und dann – weil man zu viele Gedanken im Kopf hatte – die Durchführung verpasst hat. Oder weil man unzuverlässig wirkt, weil man eine Zusage nicht eingehalten hat. Aber wichtiger ist doch: Was macht mir Freude? Mit guten Menschen zusammenzuarbeiten. Mit charaktervollen Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten, die mehr wissen als ich. Bankgeschäft – it’s a people’s business. Und da müssen Sie ein echtes Interesse am Umgang mit Menschen haben, sonst sind Sie fehl am Platz.

:unternehmen!: Sie sind kein Chef, der ganz oben im Haus sein Büro hat: Sie sitzen gleich in der ersten Etage …

Metzler: Das stimmt. Übrigens bin ich auch gar nicht Chef. Wir sind zehn Partner, wir sind völlig gleichberechtigt. Ich halte es für sehr wichtig, dass sich jeder Partner gleichberechtigt fühlt und nicht glaubt, weniger bedeutend als der Vertreter der Eigentümer zu sein. Sonst bekommen Sie keine guten Unternehmer ins Haus und das Unternehmen wird nur noch verwaltet. Auch die Mitarbeiter sollen nicht fragen, was soll ich tun? Sondern nach der Einarbeitung selbständig sehen, was zu tun ist und aktiv werden. Und – das hat mein Vater schon gesagt – ein Unternehmen muss auch von unten geführt werden. Das geht sogar so weit, dass wir den Mitarbeitern sagen, ihr seid auch für eure Vorgesetzten verantwortlich. Die können schließlich Rat und Hinweise gebrauchen.

:unternehmen!: Sie sind Pate des Gründerpreis-Nominierten Dermalog: Sie haben den Gründer, Günther Mull, bei der Preisverleihung sprechen können. Wie war Ihr erster Eindruck?

Metzler: Herr Mull ist ein richtiger Unternehmer, der in seiner Unternehmungslust nicht zu bremsen ist und auch auf keinen Fall gebremst werden sollte, der positiv, optimistisch die Dinge in die Hand nimmt. Er ist innovationsfreudig, verkörpert das richtige Unternehmertum, hat viel Mut. Er war mit seinen Kollegen da. Ich glaube, sie waren zu viert, und da merkte man, die standen im Team zusammen, freuten sich gemeinsam am Erfolg, motivierten sich gegenseitig – strahlten Emotionen aus. Ich freue mich sehr darauf, ihn bald wieder zu sehen.

Zur Person

Friedrich von Metzler Friedrich von Metzler, 63, führt gemeinsam mit neun Partnern die gleichnamige Privatbank in Frankfurt/Main. 1971 übernahm er die Leitung nach Tätigkeiten bei Schroder Wagg in London, Smith Barney in New York und der Deutschen Bank in Düsseldorf. Dass er in die Bank eintreten wollte, stand für ihn früh fest. Schon als Schüler fand er Wirtschaftsthemen und finanzielle Zusammenhänge extrem spannend und hatte viele Ideen, wie er die Bank weiterentwickeln würde. Die Trennung vom Kreditgeschäft war sicher eine der spektakulärsten Umsetzungen seiner Ideen.

Zum Unternehmen

Das Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA, so der vollständige Titel, wurde 1674 von Benjamin Metzler als Handelshaus gegründet. Inzwischen hat sich die Bank auf die Geschäftsfelder Investmentbanking und Vermögensverwaltung konzentriert. Das Unternehmen hat 700 Mitarbeiter, erzielte im vergangenen Jahr ein Provisionsergebnis von 120 Millionen Euro und ist Deutschlands älteste Privatbank, die sich ausschließlich und ununterbrochen im Besitz der Gründerfamilie befindet.

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