News und Erfolge

Dr. Maximilian Hugendubel im Gespräch Dr. Maximilian Hugendubel im Gespräch

Die Münchener H. Hugendubel GmbH & Co. KG ist eine der wichtigsten Buchhandelsfirmen in Deutschland. Das Familienunternehmen wird in fünfter Generation von den Geschwistern Nina und Maximilian Hugendubel sowie zwei weiteren Geschäftsführern geleitet.

2006 gründete Hugendubel gemeinsam mit der Augsburger Verlagsgruppe Weltbild das Gemeinschaftsunternehmen DBH Buch Handels GmbH, eine Finanzholding, unter deren Dach die rechtlich selbständigen Buchhandelsunternehmen Hugendubel, Weltbild sowie Habel, Weiland und Wohltat vereinigt wurden. Die DBH ist mit knapp 700 Millionen Euro Jahresumsatz, über 450 Buchhandlungen und rund 3.500 Beschäftigten die Nummer eins im deutschen Buchhandel. Im März 2008 genehmigte das Kartellamt die Übernahme von 44 Karstadt-Buchhandlungen durch die DBH.

:unternehmen!: Die Margen im Buchhandel sind mit durchschnittlich einem Prozent nicht gerade üppig. Sie haben vor kurzem angekündigt, eine Rendite von drei bis fünf Prozent erwirtschaften zu wollen. Warum haben Sie 2006 Ihr Unternehmen nicht einfach an die Weltbildgruppe verkauft und das Geld zur Bank gebracht?

Dr. Maximilian Hugendubel: Die Rendite mag nicht so hoch sein, aber es ist ein stabiles Geschäft und unter geschäftlichen Aspekten keine schlechte Anlage. Außerdem macht es Spaß, in dieser Branche zu arbeiten. Da man nur eine begrenzte Zeit auf dieser Erde hat, ist Spaß durchaus ein Kriterium.

:unternehmen!: Was macht Ihnen denn besonders Spaß in diesem Geschäft?
Hugendubel: Bücher sind interessante Produkte, mit denen man sich identifizieren kann. Es ist schön, die Sachen, die man selber gern hat, zu verkaufen.
:unternehmen!: Trotzdem muss Ihr Umsatz höher sein als Ihre Kosten, egal wie schön das Produkt ist, mit dem Sie handeln.

Hugendubel: Das ist richtig, das sind die Rahmenbedingungen. Aber innerhalb dieses Rahmens ist das Leben nicht nur schwarz-weiß. In anderen Bereichen kann man vielleicht mehr Geld verdienen. Aber wenn wir neue spektakuläre Buchhandlungen eröffnen und dann beobachten, wie die Leute dort hineinströmen, wie die Kinder auf den Treppenstufen sitzen und lesen – das macht einfach Freude.

Die Star-Alliance des Buchhandels

:unternehmen!: Sie haben mit der Gründung der DBH die alleinige Kontrolle an Hugendubel abgegeben, sich mit der Weltbildgruppe zusammen getan und sind so zum Marktführer in Deutschland geworden. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung heute?

Hugendubel: Positiv! Unternehmerische Entscheidungen sind immer risikobehaftet. Als wir damals die DBH gegründet haben, haben wir gesagt, in zehn Jahren wissen wir, ob es die richtige Entscheidung war. Ich würde heute schon wagen zu sagen: Es war die richtige Entscheidung. Sie hat alle Erwartungen erfüllt, einschließlich der Erwartung, dass viel Arbeit auf uns zukommt. Das Verhältnis unter den Gesellschaftern ist sehr gut, die Projekte, die wir uns vorgenommen haben, laufen gut und wir haben wirtschaftlichen Erfolg. Nach zwei Jahren ist man vergleichsweise erschöpft aber entspannt.

:unternehmen!: Sie haben den Zusammenschluss mit Weltbild und Ihre Beteiligung an den Buchhändlern Habel und Weiland mit der Star Alliance aus der Luftfahrt verglichen. Wie selbständig sind die Tochterunternehmen der DBH?

Hugendubel: Die einzelne Gesellschaft tritt nach wie vor unter ihrem Markennamen auf. Hugendubel, Weltbild, Habel und Weiland führen weiterhin ihren eigenen Namen und bedienen ihren eigenen Markt. Auch Ganghofer, die Buchhandlung in Ingolstadt, an der wir uns vor kurzem beteiligt haben, wird weiter Ganghofer heißen. Viel Zeit und Mühe haben wir in die gemeinsame Organisation der Filialen investiert, in den ganzen kaufmännischen Bereich, in die IT. Und wir haben den Einkauf zentralisiert.

:unternehmen!: Das heißt, Sie bestimmen, welche Bücher verkauft werden?

Hugendubel: Nein. Ich nehme keinerlei Einfluss darauf, welche Bücher in welchen Filialen wie präsentiert werden. Jeder Filialleiter ist sozusagen der Bürgermeister vor Ort. Er kümmert sich um seine Filiale, egal ob es eine Hugendubel- oder Weltbild-, Habel- oder Weiland-Filiale ist. Der Buchhändler vor Ort stellt die Sortimente zusammen; er darf sich aussuchen, welches Buch er ins Regal stellt. Aber er darf sich nicht aussuchen, zu welchem Preis und über welchen Bezugsweg er es bezieht.

:unternehmen!: Das klingt nach sehr viel Freiheit für die Filialen und Ihre Buchhändler vor Ort. Wie schaffen Sie es, aus den vielen kleinen Teilen ein großes, erfolgreiches Unternehmen zu machen?

Hugendubel: Ich habe ein positives Menschenbild. Ich gehe davon aus, dass die allermeisten Menschen ihre Arbeit gerne gut machen. Man muss sie nur machen lassen. Natürlich schauen wir uns die Filialen an und wenn eine Entwicklung nicht unseren Vorstellungen entspricht, greifen wir auch ein. Aber wir schreiben nicht jedes Detail vor, sondern setzen den Rahmen.

„Sortiment kommt von sortieren“

:unternehmen!: In vielen Zeitungsartikeln wurde gemutmaßt, dass die Marktbereinigung und der Zusammenschluss von Buchhandelsketten zu einer Verarmung des Buchhandelsangebots führen würde…

Hugendubel: Das stimmt objektiv nicht. Wir stellen ja im Schnitt 50.000, 60.000 Titel pro Filiale aus. Wenn die Kunden aber immer die Bestseller kaufen, dann muss man als Händler den Kundenwunsch erfüllen. Wir sind keine Gesinnungsbuchhändler, sondern wir müssen der Kundennachfrage gerecht werden. Die anspruchsvolle Literatur ist eine Nische, von der allein wir nicht leben könnten. „Sortiment“ kommt eben auch von sortieren.

:unternehmen!: Nun hat der Online-Buchhändler Amazon ein deutlich größeres Sortiment. Wie gehen Sie mit dieser Konkurrenz um?

Hugendubel: Vor zehn Jahren hieß es: Wenn‘s der Hugendubel nicht hat, dann gibt es das nicht. Da ist Amazon inzwischen deutlich besser. Wir spitzen deshalb unser Sortiment zu. Bei Amazon gibt‘s alles. Bei uns gibt es von Buchhändlern ausgewählte Bücher. Wir wollen nicht alle Bücher im Angebot haben, sondern die besten.

:unternehmen!: Aber Sie haben die Konkurrenz doch sicher gemerkt?

Hugendubel: Der Erfolg von Amazon hat dem Buchhandel gut getan. Eine bessere Werbung hätte es gar nicht geben können. Insgesamt werden mehr Bücher verkauft, das ist der positive Effekt für die Verlage. Der negative Effekt für uns Buchhändler: Deutlich mehr Bücher werden nicht mehr bei uns gekauft. Aber damit können wir umgehen. Wir konkurrieren nicht mit Amazon, sondern mit Kinos und mit Cafés. Einkaufen in der Stadt ist zur Freizeitbeschäftigung geworden, Menschen möchten die Ware anfassen, gehen in die Buchhandlung und haben vielleicht gar keine feste Kaufabsicht. Aber fast alle gehen mit mindestens einem Buch wieder raus.

:unternehmen!: Ob sie‘s lesen oder nicht…

Hugendubel: Das war vor 100 Jahren schon so: Wenn wir von den gelesenen Büchern leben müssten, wären wir alle pleite.

„Fehler sind unvermeidlich“

:unternehmen!: Hat etwas schon mal nicht so geklappt wie Sie wollten?

Hugendubel: Misserfolge gibt es eine ganze Reihe, es gibt kleine Fehler, größere Fehler; Fehler passieren immer wieder. Dass man zum Beispiel sehr viel Zeit und Mühe in die Verhandlung eines Mietvertrags steckt und am Ende heißt es dann, nein, wir vermieten Euch die Fläche doch nicht. Oder man engagiert sich stark in einem Projekt, das am Ende nicht klappt, so etwas passiert. Das bleibt schon haften und nagt an einem.

:unternehmen!: Aber Sie lassen Fehler zu?

Hugendubel: Ich würde sie nicht zulassen, wenn ich es vermeiden könnte. Ich halte sie nur für unvermeidlich.

:unternehmen!: Was ist für Sie die wichtigste Erfahrung aus Ihrem bisherigen Unternehmerleben?

Hugendubel: Der Unternehmer muss offen für Kritik sein. Das Allerschlimmste, das passieren kann ist, wenn man keinen Widerspruch mehr bekommt. Man kann ihn nicht erzwingen, aber man kann für eine offene Gesprächskultur sorgen.

:unternehmen!: Warum ist Ihnen das so wichtig?

Hugendubel: Die Mitarbeiter haben mit zunehmender Größe eines Unternehmens viel mehr Detailkenntnisse als ich und schätzen Sachen anders ein. Sie müssen sich nur trauen, die Schlussfolgerungen, die sie aus ihren Erfahrungen ziehen, auch auszusprechen. Das Geschäft ist so schnell und komplex, dass man es alleine gar nicht beherrschen kann. Der unternehmerische Erfolg setzt sich zusammen aus der Summe der Erfahrung seiner Mitarbeiter.

Familienfreundliches Familienunternehmen

:unternehmen!: Sie arbeiten eng mit Ihrer Schwester Nina zusammen. Funktioniert das?

Hugendubel: Ja, sehr gut! Wir haben klar abgegrenzte, unterschiedliche Bereiche, das ist sehr wichtig – für jedes Unternehmen. So eine Allzuständigkeit von drei, vier Leuten führt dazu, dass am Ende keiner verantwortlich ist. Deshalb haben wir klar abgegrenzte Bereiche, im Übrigen auch zu den beiden anderen gleichberechtigten Geschäftsführern. Jeder hat seinen eigenen Verantwortungs¬bereich und nur die großen Sachen werden gemeinsam besprochen.

:unternehmen!: Sie sind vor kurzem Vater geworden – wie managen Sie den Spagat zwischen Beruf und Familie?

Hugendubel: Heute bin ich deshalb tatsächlich ein wenig in Eile. Meine Frau ist Rechtsanwältin und muss noch zum Gericht. Da mein Sohn krank ist, radle ich gleich nach Hause, löse sie für ein paar Stunden ab und bleibe dann heute Abend ein bisschen länger im Büro.

:unternehmen!: Was sagen Ihre Mitarbeiter dazu?

Hugendubel: Diese Flexibilität erlaube ich nicht nur mir selbst. Die Chefin unserer Buchhaltung ist Mutter; sie arbeitet jeden Freitag von zuhause aus. Wir haben Mitarbeiter, die gerne reisen. Die nehmen regelmäßig ein Jahr Auszeit, machen eine Weltreise und kommen dann wieder. Ich persönlich finde das sehr sympathisch.

Seite weiterempfehlen Seite ausdrucken Seitenanfang