Raus aus dem Elfenbeinturm Raus aus dem Elfenbeinturm

Nicht viele Wissenschaftler wagen den Schritt ins Unternehmertum. Dabei haben Innovationen in der Forschung oft auch Marktpotenzial. Doch betriebswirtschaftliches Denken ist Wissenschaftlern oft fremd. An Hochschulen gibt es daher zunehmend mehr gezielte Angebote für Gründer aus der Forschung. Zahlreiche Förderprogramme bieten zudem finanzielle Unterstützung. Wie erfolgreich der Sprung ins Unternehmertum sein kann, zeigt die Erfolgsgeschichte von Saskia Biskup. Die Genforscherin führt heute ein aufstrebendes Unternehmen.

Saskia Biskup wollte für ihre Forschungen in der Genanalyse die modernste Technologie nutzen. Um mehr Gene in kürzerer Zeit entschlüsseln zu können, benötigte sie teure Geräte. Eine Finanzierung mit Forschungsmitteln schien schwierig. Die Wissenschaftlerin entschied sich daher für den Schritt ins Unternehmertum und gründete die Cegat GmbH: „Das war die einzige Chance, unseren Vorsprung in der Forschung zu nutzen.“


130 Sekunden Cegat GmbH

Die Unternehmensgründung war für Saskia Biskup kein leichter Schritt. Hilfe bekam sie von Bioregio Stern, einem regionalen Kompetenznetzwerk für Existenzgründer im Bereich Biotechnologie. Hier ließ sie den Businessplan, den sie gemeinsam mit ihrem Mann erstellt hatte, überprüfen. Bioregio Stern griff bei der Unternehmensgründung unter die Arme, half beim Marketing und veröffentlichte Stellenanzeigen von Cegat. Um das Unternehmen bekanntzumachen, übernahm das Netzwerk auch die Pressearbeit. „Wir wurden von Anfang an in allen Bereichen von Bioregio Stern unterstützt. Die Zusammenarbeit hat uns sehr geholfen“, sagt Saskia Biskup. Noch heute pflegt sie die Kontakte innerhalb des Netzwerks, tauscht sich mit gleichgesinnten Unternehmern aus und hält Vorträge.

Marktchancen werden oft nicht genutzt
Es gibt zahlreiche Förderprogramme, die Gründern unter die Arme greifen. Mit dem Stipendium Exist fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) eigens Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft.

Trotzdem fristen unzählige erfolgversprechende Ideen ein Schattendasein an den Hochschulen. Dabei sind es häufig gerade frisch gegründete Unternehmen, die zum Beispiel neuen Produkten oder Produktionsmethoden zum Durchbruch verhelfen. „Um dieses ungenutzte Potenzial nachhaltig für Unternehmensgründungen zu erschließen, gilt es, unternehmerisches Denken und Handeln unter Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern zu stärken“, sagt Ulrich Knaup vom Förderkreis Gründungs-Forschung (FGF). Er ist überzeugt: Unternehmerisches Know-how ist lehr- und lernbar.

Gründungskultur an Hochschulen etablieren
Im Rahmen von Gründerlehrstühlen bekommen Wissenschaftler an Hochschulen betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt, etwa in Marketing und Finanzierung. Die Ausgestaltung der Gründerlehrstühle unterscheidet sich von Hochschule zu Hochschule. Es gibt entsprechende Studiengänge wie zum Beispiel den Master of Arts Entrepreneurship an der Universität Hamburg. Die Vorlesungen und Seminare werden teils aber auch als freiwillige Veranstaltungen neben dem regulären Studium angeboten. Oder sie sind Teil der Studienordnung. Entsprechende Leistungsnachweise werden dann zum Beispiel im Rahmen eines naturwissenschaftlichen Studiengangs anerkannt.

Die Gründungslehre ist hierzulande noch jung. Erst seit Ende der 90er Jahre verbreitet sich in der deutschen Hochschullandschaft ein Bewusstsein für Unternehmensgründungen. Der FGF will die Gründungskultur an deutschsprachigen Hochschulen etablieren und unterstützt den Aufbau entsprechender Lehrstühle. Derzeit gibt es rund 90 Entrepreneurship-Professuren in Deutschland [FGF). Doch das reicht noch längst nicht aus: „Trotz der positiven Entwicklung in den vergangenen Jahren, hinkt die Gründungslehre an deutschen Hochschulen im internationalen Vergleich noch immer hinterher“, sagt Knaup. Immerhin: An nahezu allen Hochschulen gibt es inzwischen Anlaufstellen für gründungswillige Forscher, die zum Beispiel über Förderprogramme oder Stipendien informieren.

Erfolgreiche Symbiose
Wissenschaftler mit innovativen Ideen sind oft auch erfolgreiche Gründer. „Die Firmen haben gute Überlebenschancen, schaffen Arbeitsplätze und bringen innovative Produkte auf den Markt“, sagt Knaup. Saskia Biskup bereut den Schritt ins Unternehmertum jedenfalls nicht: „Trotz der vielen schlaflosen Nächte am Anfang, würde ich es auf jeden Fall wieder tun.“ Kein Wunder. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Zeichen stehen auf Wachstum und gerade hat sie ihren 21. Mitarbeiter eingestellt.

Auch als Unternehmerin hat Saskia Biskup noch einen Fuß in der Wissenschaft. Sie arbeitet nach wie vor eng mit der Universität Tübingen zusammen. Die Cegat stellt den Wissenschaftlern modernste Technologie vor Ort zur Verfügung. Gemeinsame Projekte mit der Universität sorgen dafür, dass Saskia Biskup und ihre Mitarbeiter in der Forschung am Ball bleiben. So profitieren beide Seiten: Wissenschaft und Wirtschaft.

Weitere Informationen

Mehr zum Unternehmen Cegat GmbH, Preisträger in der Kategorie StartUp beim Deutschen Gründerpreis 2011

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