Ursula und Dr. Maichael Sladek, EWS Vertriebs GmbH

„Wir wollen die gesamte Energieversorgung ökologisch ausrichten und auf dezentrale, sparsame und lokal verankerte Strukturen umstellen“, umreißt Geschäftsführerin Ursula Sladek die Vision der Elektrizitätswerke Schönau. Kohle- und Atomstrom sind bei den EWS Tabu.

Der Energieversorger liefert ausschließlich Ökostrom, der aus erneuerbaren Energien oder Kraft-Wärme-Kopplung stammt. Zudem zahlt das Unternehmen eine höhere Einspeisevergütung als gesetzlich vorgeschrieben und fördert so die umweltfreundliche Energieerzeugung, etwa mit Solaranlagen oder Blockheizkraftwerken. „Wir wollen Mitnahmeeffekte vermeiden“, so Ursula Sladek. „Deshalb muss uns der Antragsteller ab dem zweiten installierten Kilowatt Leistung für jedes weitere Kilowatt einen neuen Kunden vermitteln.“ Außerdem halten die EWS über Seminare, Vorträge und andere Aktivitäten einen engen Kontakt zu ihren Kunden und unterstützen sie beim Energiesparen.

Angefangen hatte alles mit einer Schreckensmeldung: „Der Schock von Tschernobyl hat meinen Mann und mich wachgerüttelt“, so Ursula Sladek. Gemeinsam mit anderen gründete das Ehepaar 1986 eine Bürgerinitiative, die sich für das Energiesparen und eine nachhaltige Stromversorgung einsetzte. „Wir waren ursprünglich weder politisch noch ökologisch engagiert“, erinnert sie sich. „Meine Motivation war die Zukunft meiner fünf Kinder.“

EWS Schönau

Ursula Sladek
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Im Jahr 1990 stand die Verlängerung des Konzessionsvertrages mit dem zuständigen Energieversorger auf dem Programm, der 1994 auslaufen sollte. Die Bürgerinitiative wollte ökologische Rahmenbedingungen in den Vertrag einarbeiten, was das Unternehmen ablehnte. Doch alternative Anbieter gab es damals keine. Deshalb beschloss die Gruppe, ein eigenes Elektrizitätswerk aufzubauen und sich um die frei werdende Konzession zu bewerben. Knackpunkt der zahlreichen Gutachten und Gegengutachten dieser Zeit war der Kaufpreis für das Stromnetz: Die Bürgerinitiative hatte einen Preis von 4 Mio. DM berechnet, der Energieversorger dagegen 8,7 Millionen. Nach bundesweiten Unterstützungskampagnen und zähen Debatten wurde schließlich ein Preis von 5,8 Mio. DM gezahlt, der nach einem Gerichtsentscheid im Jahr 2005 rückwirkend sogar auf umgerechnet 3,5 Mio. DM gesenkt wurde.

Das Geld kam durch Spenden, direkte Beteiligungen sowie einen von einer alternativen Bank aufgelegten Öko-Fonds zusammen. „Hier hat uns auch die Sparkasse sehr unterstützt, weil sie einen sehr guten Zinssatz für die Beteiligungsgelder gezahlt hat, die auf einem Treuhandkonto lagen“, so Ursula Sladek. 1995 erhielten die EWS die Konzession, 1997 nahm das Unternehmen den Betrieb auf.

Die Bilanz nach zehn Jahren Arbeit kann sich sehen lassen: 20 Mitarbeiter bedienen rund 45.000 Stromkunden, die einen marktüblichen Tarif bezahlen. Damit erwirtschafteten die EWS 2006 einen Umsatz von 24 Mio. Euro. „Wir haben zwar geringere Gewinnerwartungen als die großen Stromanbieter“, erklärt die Geschäftsführerin. „Dennoch sind wir ein ganz normales wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen, das seit Jahren Gewinne macht.“ Der große Pluspunkt des Energieversorgers ist seine Glaubwürdigkeit: „Die Verbraucher sind sehr kritisch. Bei uns stimmt das ökologische Gesamtkonzept und das bringt uns auch ohne große Werbung viele neue Kunden“, so Ursula Sladek. „In den nächsten Jahren müssen und wollen wir weiter wachsen, denn wenn man wirksam etwas für den Klimaschutz tun will, muss man viele Menschen erreichen. Langfristig möchten wir außerdem eine eigene Stromproduktion aufbauen.“

Die überaus gelungene Verknüpfung von ökonomischem Erfolg mit ökologischer sowie sozialer Verantwortung und die starke Kundenorientierung waren auch zentrale Argumente für die Jury des Deutschen Gründerpreises, die die Elektrizitätswerke Schönau mit dem Sonderpreis 2007 auszeichnet. Die Gründung zeige, so die Experten, dass es sich lohnt für seine Ziele zu kämpfen und dass sich Durchhaltevermögen am Ende auszahlt. „Wir haben uns sehr über die Auszeichnung gefreut“, so Ursula Sladek. „Das ist für uns eine Bestätigung, dass wir als seriöses und professionelles Unternehmen wahrgenommen werden. Außerdem ist ein so renommierter Preis eine positive Öffentlichkeitsarbeit und die ist für uns sehr wichtig.“