Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen gGmbH

„Wir mussten erst lernen, dass Widersprüchlichkeit kein Defizit ist, sondern der Motor unseres Erfolges“, erklärt Managing Director Albert Schmitt den Aufstieg der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

In der Praxis sieht das so aus: Neben der Zusammenarbeit mit internationalen Star-Solisten stehen Projekte mit benachteiligten Schülern. Nach den Auftritten auf den großen Bühnen der Welt stehen Konzerte in den hauseigenen Räumen in einer Schule eines Bremer Stadtteils mit besonderen Herausforderungen auf dem Programm. Und mit Paavo Järvi hat sich das an der historischen Aufführungspraxis orientierte Orchester ganz bewusst einen Künstlerischen Leiter gesucht, der von völlig anderen musikalischen Positionen geprägt ist. „Es ist wichtig, sich solchen Spannungen immer wieder zu stellen, denn nur dadurch entstehen neue Wege“, so Schmitt. „In Zukunft werden Kreativität und echte Individualität zunehmend wichtiger. Doch Neues entsteht nicht in der Mitte, sondern an den Rändern, an den Schnittstellen verschiedener Bereiche. Wir versuchen, die sozialen Gruppen wieder stärker miteinander in Kontakt zu bringen. Dadurch wollen wir der Zersplitterung der Gesellschaft und damit dem Stillstand entgegenwirken.“

Die Deutsche Kammerphilharmonie
Bremen gGmbH

Albert Schmitt
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Mit ihrem Konzept erreicht die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen nicht nur musikalische Höchstleistungen, sondern schaffte auch den wirtschaftlichen Turnaround: Noch vor zehn Jahren hatte das Orchester rund 1,5 Millionen DM Schulden. „Nach dem fünften Geschäftsführer hatte ich genug“, sagt Albert Schmitt, damals noch Kontrabassist. Wie alle anderen Mitglieder des Ensembles war er als Gesellschafter in der persönlichen Haftung. Das Spannungsfeld von Kunst und Kommerz, so die Entscheidung, sollte endlich konstruktiv genutzt werden. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen setzt seitdem auf ein professionelles Marketing mit einer systematischen Markenstrategie. Die konsequente künstlerische Ausrichtung auf bekannte Namen wie Beethoven oder Brahms bekommt durch parallele Crossover-Projekte neue Impulse (Crossover = Verschmelzung von Musikgenres). Eine geschickte gesellschaftsrechtliche Konstruktion reduziert die Haftungsrisiken der Musiker, die bis heute Gesellschafter sind, und keine Angestellten. Auch das innovative Vermarktungskonzept führt Gegensätzliches zusammen: Die Kammerphilharmonie finanziert sich nicht nur aus der Musik, sondern auch durch Management-Trainings. Kernprodukt ist das in Zusammenarbeit mit Professor Christian Scholz entwickelte 5-Sekunden-Modell. „Das Modell bildet die entscheidenden Erfolgsfaktoren für Hochleistungsteams ab und macht sie auf andere Situationen übertragbar“, so Managing Director Schmitt. Öffentliche Zuwendungen dagegen machen nicht einmal 40 Prozent der Einnahmen aus – üblich sind rund 90 Prozent.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Orchester vom Geheimtipp zur international anerkannten Weltspitze. Einen solchen Erfolg hatte keiner der jungen Preisträger des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ geahnt, die das Orchester 1980 gegründet hatten. „Die Musiker wollten nicht in die damals verknöcherten Strukturen der bestehenden Berufsorchester einsteigen, sondern weiterhin ihre Leidenschaft für die Musik leben“, erklärt Schmitt. Diesen Enthusiasmus spürt nicht nur das Publikum bei den Konzerten auf allen großen Bühnen der Welt, sondern verführt auch internationale Stars wie Hélène Grimaud, Christian Tetzlaff oder Viktoria Mullova trotz relativ niedriger Gagen zur Zusammenarbeit.

„Die Nominierung für den Deutschen Gründerpreis hat uns sehr überrascht“, sagt Albert Schmitt. „Es ist eine große Auszeichnung, wenn eine solche Jury auf einen aufmerksam wird. Das ist ein sehr positiver Beitrag zur Entwicklung des Orchesters, der eine Aufwärtsspirale in Gang setzen könnte.“

Die Jury des Deutschen Gründerpreises zeichnet das Unternehmen „für die gelungene Verbindung von Unternehmertum und Kultur: ein Spitzen-Orchester mit höchstem Qualitätsanspruch, das zugleich musikalische Jugendarbeit in einem sozialen Brennpunkt leistet“ aus.