Prof. Dr.-Ing. E.h. Artur Fischer

„In vielen deutschen Betrieben fehlt es an Innovationen“, so Artur Fischer, Erfinder und Unternehmer. „Man kann aber nur überleben, wenn man permanent etwas Neues entwickelt.“ Dem fast 90-Jährigen jedenfalls gehen die Ideen noch lange nicht aus. Erst Anfang des Jahres hat er sich wieder zwei Neuerungen schützen lassen.

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Artur Fischers Erfindungen entstehen nicht im stillen Kämmerlein, sondern bei der Auseinandersetzung mit praktischen Problemen. „Man braucht keine theoretischen Ideen, sondern Produkte“, sagt er. „Eine Erfindung muss von Nutzen sein. Man muss den Menschen dienen.“ Jungen Gründern rät er deshalb, nicht sofort zu investieren, sondern zuerst mit den potenziellen Kunden zu reden. „So merkt man, wie die Idee ankommt und ob man sie verkaufen kann.“ Heute allerdings sei das Leben als Erfinder schwieriger geworden: „Die Welt wird immer größer und es gibt viele Nachahmer. Man muss dafür sorgen, dass das eigene geistige Eigentum richtig geschützt ist, denn ein gutes Produkt wird sofort kopiert.“ Der Gang zum Patentamt ist für Fischer deshalb auch und gerade heute unverzichtbar für jeden Erfinder.

Sein erstes Patent erhielt der ausgebildete Bauschlosser 1949 für einen sogenannten Synchronblitzer für Fotoapparate, ab 1950 produzierte er für Agfa verschiedene Blitzlichtgeräte. Später erfand er den Cube, einen Blitzwürfel mit vier Lampen. „Nach der Währungsreform hatte ich gar nichts“, erinnert er sich. „Ich habe um Bretter gebettelt. Die habe ich dann mit dem Fahrrad abgeholt, um mir daraus eine Werkbank zu bauen.“ Schraubstock und Bohrmaschine lieh er sich von einem Bekannten. Um die Blitzer zu produzieren, brauchte er Rohre. Der Lieferant forderte einen Bürgen, den der Ein-Mann-Betrieb natürlich nicht hatte. Artur Fischer schrieb den ersten Geschäftsbrief seines Lebens: „Ich habe keinen Bürgen, aber ich will einen ehrlichen Betrieb aufbauen. Wenn das genügt, schicken Sie bitte die Rohre.“ Die Rohre wurden geliefert. Auch als es um die Betriebsgenehmigung ging, bewies er Kreativität. Die Gemeinderäte, meist Bauern, wollten keinen Industriebetrieb auf dem Land. „Ich habe gesagt, dass es eine Werkstatt ist, die wurde dann genehmigt“, sagt er und lacht.

Seinen berühmten S-Dübel erfand Fischer 1958, zahllose weitere Entwicklungen folgten. Die Patente wurden zur Basis eines Weltkonzerns. 1980, bei der Übergabe an Sohn Klaus, hatte Fischer bereits 1.480 Mitarbeiter und machte etwa 81 Millionen Euro Umsatz. Nachfolger Klaus Fischer optimierte die Prozesse und Strukturen, trieb die Internationalisierung voran und erweiterte das Geschäftsfeld des Unternehmens um KFZ-Interieurkomponenten und eine Prozessberatung. Heute beschäftigt die Unternehmensgruppe Fischer rund 3.850 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftet einen Umsatz von 560 Millionen Euro. Bis heute gilt das Familienunternehmen als extrem innovativ: Mehr als 14 Patentanmeldungen pro 1000 Mitarbeiter jährlich sind bei Fischer Standard – der Durchschnittswert der deutschen Industrie dagegen liegt bei rund 0,6.

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Den eigentlichen Geistesblitz, den kann man allerdings bis heute nicht erzwingen. „Ein Erfinder ist jemand, der etwas findet“, sagt Artur Fischer. „Ich glaube, dass jede Erfindung eine Rückkopplung nach oben hat, egal, ob man das nun Gott oder einfach eine höhere Macht nennt.“ Das Erfolgsgeheimnis des Ingenieurs ist einfach: „Begeisterung“, sagt er und lächelt verschmitzt. „Ich erlebe immer wieder die Freude eines Kindes, wenn etwas nach vielen Rückschlägen endlich gelingt.“ Diese kindliche Begeisterung, die Neugier und das Vertrauen in die eigenen Kräfte hat Artur Fischer seiner Mutter zu verdanken. „Meine Mutter hat nie gesagt, dass etwas nicht geht, sondern mir dabei geholfen, es selbst herauszufinden.“ Auch die weltbekannte Fischertechnik, die seit 1964 Kinder fasziniert, hat ihre Wurzeln in der Kindheit des Schneidersohns. Die Mutter erfüllte damals den sehnlichsten Weihnachtswunsch des kleinen Artur: Einen Märklin-Kasten für 4,95 Mark. „Das war für meine Eltern sehr viel Geld. Ich war damals begeistert, doch eigentlich war Märklin mit den vielen Schrauben zu kompliziert für Kinder.“ Jahre später erfand Fischer einen neuen, schraubenlosen Baukasten – zunächst nur als Präsent für den Nachwuchs der Geschäftsfreunde. „Fischertechnik wäre nie auf der Welt, wenn ich nicht mit Märklin gespielt hätte.“ 1998 entwickelte er außerdem das Kreativspielzeug FischerTiP. Bis heute liegen Artur Fischer die Kinder besonders am Herzen. „Kinder, die nie richtig gespielt haben, werden später den Schatz der kindlichen Kreativität vermissen, wenn es darum geht, neue Lösungen zu finden“, sagt er.

Seinen Erfolg, so der Unternehmer bescheiden, verdanke er zu einem großen Teil seinen engagierten Mitarbeitern. „Man muss die Herzen der Menschen erreichen“, erklärt er. „Es macht einen großen Unterschied, ob jemand acht Stunden da ist oder ob jemand acht Stunden arbeitet.“ Ein gutes Betriebsklima und ein fairer Umgang miteinander waren ihm und später Sohn Klaus immer sehr wichtig. Die Fischerwerke investieren bis heute viel Geld in die regelmäßige Aus- und Weiterbildung und bieten großzügige Sozialleistungen. Außerdem unterstützt das Familienunternehmen die regionale Kulturförderung sowie kommunale Einrichtungen und betreibt schon seit 1953 aktiven Umweltschutz.

Für seine Leistungen hat der Erfinder zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Auch die hochkarätige Jury des Deutschen Gründerpreises war von der Lebensleistung des 89-Jährigen tief beeindruckt. Sie zeichnete Prof. Dr.-Ing. E. h. Artur Fischer mit dem Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Lebenswerk 2009 aus. „Ich freue mich über diese Ehrung“, so Artur Fischer. „Ich schätze den Deutschen Gründerpreis sehr, weil er genau die kreativen und innovativen Gründungen auszeichnet, die wir in Deutschland so dringend benötigen.“

Die Jury des Deutschen Gründerpreises ehrt den Artur Fischer „für eine herausragende unternehmerische Aufbauleistung und eine vorbildliche Unternehmenskultur. Aus einem kleinen Apparatebaubetrieb schuf er ein internationales Unternehmen, in dem sich die Mitarbeiter als Teil einer Familie begreifen. Für Fischer standen Innovationen immer im Mittelpunkt. Er gilt als einer der produktivsten Erfinder der Welt und hat bis heute mehr als 1.100 Erfindungen zum Patent bzw. Gebrauchsmuster angemeldet. Der von ihm erfundene Spreiz-Dübel aus Kunststoff ist weltweit bekannt und wird inzwischen in unzähligen Abwandlungen und Weiterentwicklungen produziert. Auch die Erfolgsgeschichte der Fischertechnik-Baukastensysteme geht auf Artur Fischer zurück. Fischer setzt sich bis heute für die Förderung des Erfindertums ein, u. a. mit dem Artur-Fischer-Erfinderpreis.“