Das Herz muss brennen.
Preisverleihung im ZDF-Hauptstadtstudio

Wer bei der Preisverleihung im ZDF-Hauptstadtstudio den Reden auf der Bühne und den Gesprächen an den Stehtischen lauscht, dem wird klar: Wirtschaftlicher Erfolg ist wichtig, aber nicht alles. Gründen bedeutet für die Preisträger und Finalisten 2013 vor allem eines: Die Möglichkeit, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Laudator Thomas Osterkorn (rechts)
gratuliert Titus Dittmann

Alle Bilder der Preisverleihung finden Sie hier.
Preisverleihung 2013

Titus Dittmann nennt die Dinge beim Namen. Gepflegter Folien-Sprech ist nicht sein Fall, lieber redet er gerade heraus. »Wenn dein Herz für eine Sache brennt, ist es egal, wie oft du auf die Schnauze fliegst«, ist zum Beispiel so ein Satz. Der Skateboard-Guru und Seriengründer, der seine Sonderpreis-Auszeichnung ausnahmsweise im Smoking entgegennimmt, kann es sich leisten, deutlich zu werden. In seinem Unternehmerleben hat er schon alles mitgemacht. Mit seiner, wie er es nennt, »Lieber-tot-als-Zweiter-Mentalität« hätte er fast seine erfolgreichste Gründung, die titus GmbH, den europäischen Marktführer für Skaterbedarf, ruiniert: »Ich hatte mein Urteilsvermögen komplett verloren und mich von der Investorendemagogie der Börsenboom-Jahre blenden lassen.« Erst als Dittmann finanziell mit dem Rücken zur Wand stand, erinnerte er sich, warum er Unternehmer geworden war: »Es ist mein Weg, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.«

Unternehmertum ist mein Weg, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Titus Dittmann, Sonderpreisträger 2013

Genau das reizte auch die Preisträger in der Kategorie StartUp, Martina Kuhlmann und Rolf Rohden. Nach Jahrzehnten im Angestelltenverhältnis wollten die beiden nicht dauernd Bekanntes wiederholen, sondern außerhalb festgefahrener Strukturen wieder frei und kreativ denken. Mit innovativen Ideen wie in der Länge verstellbaren Rotorblättern, die die Energieausbeute von Windkraftanlagen deutlich steigern, begeisterten sie schon kurz nach der Gründung ihrer Innoven GmbH die ersten internationalen Kunden. »Die Zeit war reif. In unserem Alter muss man sich irgendwann entscheiden, ob man sein bequem gewordenes Leben aufgeben möchte«, meint der 52-jährige Schiffsbetriebsingenieur Rohden. Spätes Gründertum hat allerdings auch Vorteile, findet Ehefrau und Geschäftspartnerin Kuhlmann: »Man hat viel Erfahrung und bleibt locker, wenn andere nervös werden. Vor zwanzig Jahren hätten wir das nicht gemacht.«

Moderator Michael Opoczynski im Gespräch mit Hubertus Bessau

Für die drei »Jungs« der Mymuesli GmbH, Preisträger in der Kategorie Aufsteiger, war das Studium genau die richtige Lebensphase, um etwas aufzuziehen. »Keinerlei Verpflichtungen – und wir wollten unbedingt gründen. Die Idee mit dem Müsli war einfach die beste, die wir hatten«, so Hubertus Bessau. Obwohl endlose Müsliregale in Supermärkten von einem gesättigten Markt zeugten und Branchenkenner abrieten, beliefern die Passauer mit ihren individuellen Müslimischungen, die man sich sowohl online als auch im Laden zusammenstellen kann, heute erfolgreich Kunden in fünf europäischen Ländern. »Dieser Abend ist für uns ein Meilenstein«, freut sich Philipp Kraiss.

Ein Meilenstein, das war der Deutsche Gründerpreis auch für viele Ehemalige, die ein paar Tische weiter zusammenstehen und sich auf den neuesten Stand bringen. »Der Deutsche Gründerpreis hat unser Leben verändert«, ist sich Dr. Dr. Saskia Biskup, Preisträgerin 2011 mit der Cegat GmbH, sicher. »Vorher kannte uns niemand. In Bewerbungsgesprächen mussten wir sogar Befürchtungen ausräumen, dass wir bald pleitegehen. Heute sind wir für die besten Köpfe der Branche als Arbeitgeber attraktiv.« 

Moderator Michael Opoczynski im Gespräch mit Dr.-Ing. E. h. Martin Herrenknecht

Es sind die spannenden Begegnungen, die den Deutschen Gründerpreis ausmachen.

Dr. Eckhard Lüpfert, CSP Services GmbH nominiert 2012 in der Kategorie Aufsteiger

Zurück schaut Lebenswerkpreisträger Dr. Martin Herrenknecht nur ungerne, denn »im Tunnelbau gibt es nur einen Weg, den nach vorne.« Er widmet die Auszeichnung seiner Mutter, die bei seiner eigenen Gründung vor 38 Jahren die einzige war, die an ihn glaubte und ihm einen Kredit gewährte. Damit es zukünftige Gründergenerationen leichter haben, ist seine Mission für die Zukunft, junge Technologieunternehmen zu fördern: »Deutschland soll als Exportnation keinen Schaden erleiden.«

Gut, dass er den Flyer von Luca Messerschmidt und Daniel Sokolowski auch zugesteckt bekommt. Die beiden Abiturienten, selbst Teilnehmer des Schülerwettbewerbs des Deutschen Gründerpreises im letzten Jahr, bewerben an diesem Abend als frisch gebackene Vorstände ihr Gründerpreis-Alumni-Netzwerk für Schüler. Das Ziel ist, Unternehmer und Schüler der Initiative etwa für Praktika näher zusammenzubringen. Ihre beruflichen Pläne für die Zukunft? »Irgendetwas selber machen.« Was sonst.

Ihr Scriptpad könnte zeitaufwändiges Abtippen handschriftlicher Notizen überflüssig machen: Franziska Jörres, Julia Kessen, Anja Geißen, Nadja Töller
Sie wissen, wie man am besten Winde »erntet«: Martina Kuhlmann und Rolf Rohden
Die Initiatoren Thomas Osterkorn (stern), Georg Fahrenschon (Deutscher Sparkassen- und Giroverband), Matthias Müller (Porsche) und Dr. Thomas Bellut (ZDF) haben die Auszeichnungen überreicht.