Jugend häkelt

Zwei Jungs aus einer bayrischen Kleinstadt erobern mit bunten Mützen die Szene und machen Häkeln zum neuen Trend: Thomas Jaenisch und Felix Rohland zeigten mit myboshi, wie aus einer kleinen Idee Großes werden kann. Dafür wurden sie für den Deutschen Gründerpreis 2014 in der Kategorie Aufsteiger nominiert.

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Der Anfang wurde schon oft erzählt: Ein Skilehrerjob in Japan, langweilige, dunkle Winterabende, eine Spanierin, die zwei Jungs aus Bayern das Häkeln beibringt und ein Australier, der unbedingt die bunten selbstgemachten Mützen kaufen will. „Da haben wir gesehen, dass man damit Geld verdienen kann“, erzählt Thomas Jaenisch (30). Myboshi heißt das Projekt, nach dem japanischen Boshi, Mütze, als Erinnerung an eine tolle Reise. Wieso wollen ein Wirtschaftsingenieur und ein Realschullehrer ausgerechnet Mützen häkeln? „Andere machen nach der Uni eine Weltreise und wir wollten eben myboshi“, sagt Mitgründer Felix Rohland (29). Zurück in Deutschland häkeln die Jungs anfangs nur für Freunde. Die Sache spricht sich herum. „Unsere Familien haben uns zuerst für verrückt erklärt, aber dann doch mitgehäkelt.“ Nach rund 2.000 Boshis ist die Grenze erreicht: „Da haben wir gesagt: Entweder machen wir es richtig oder wir hören auf.“ Die beiden investieren in einen professionellen Internetauftritt und suchen sich per Kleinanzeige Verstärkung. Inzwischen hängen fast 40 vorwiegend ältere Mitarbeiter an der Häkelnadel und erwirtschaften einen Umsatz von rund 3,2 Millionen Euro. 

Thomas Jaenisch und Felix Rohland

Die hochkarätig besetzte Jury des Deutschen Gründerpreises war begeistert von diesem tollen Erfolg und bestätigte den Jungs eine „geniale Idee, die eine ganze Branche neu belebt hat.“ Besonders beeindruckte die Juroren, mit welcher Professionalität die beiden bodenständigen Bayern aus einer Kreativ-Idee ein profitables Unternehmen geschaffen haben. Für diese überragende Leistung nominierten die Experten myboshi für den Deutschen Gründerpreis 2014 in der Kategorie Aufsteiger. „Die Nominierung für diesen bedeutenden Preis freut uns ganz besonders, weil es immer hieß, dass unsere Idee keine Zukunft hat“, sagt Thomas Jaenisch. „Ganz toll finden wir auch die Beratung durch Porsche Consulting und die Berichterstattung, die uns noch bekannter machen wird.“ Wie wichtig diese Medienpräsenz ist, wissen die Gründer genau. „Wir haben von Anfang an viel Pressearbeit gemacht, das ist wirklich harte Arbeit.“ Nach einem dieser mühsam erkämpften Medienberichte ruft ein Verlag an, will ein Handarbeitsbuch herausgeben. „Erst wollten wir unsere Anleitungen nicht verraten.“ Es wurde das bestverkaufte Handarbeitsbuch aller Zeiten. Derzeit ist der vierte Band in Arbeit, mit höherer Startauflage als Harry Potter. Dadurch hat sich auch das Geschäftsmodell gewandelt. Den Hauptumsatz macht myboshi nicht mehr mit fertigen Mützen, sondern mit Material und Anleitungen, die auch absolute Anfänger hinbekommen. „Uns fehlte aber Wolle in angesagten Farben“, sagt Jaenisch. Die namhaften Hersteller ließen die beiden abblitzen. Ein örtlicher Großhändler biss an und wurde mit myboshi-Wolle zum Marktführer. „Wir bringen wieder junge Kunden in die Handarbeitsläden.“ 

myboshi GmbH

Thomas Jaenisch
T (09281) 59 320 51

thomas@myboshi.net
www.myboshi.net

Bis heute setzen die beiden auf den direkten Kontakt zum Kunden, über Social Media und auf Häkelvorführungen in Kaufhäusern, Handarbeitsläden, auf Messen und in Schulen. Kreative junge Leute sind begeistert von den witzigen, trendy Designs. Häkeln gilt als cool, nicht nur bei Mädels, sondern auch bei Jungs. „Hier an der Schule tragen rund 70 Prozent der Schüler eine Boshi, das ist ein tolles Gefühl,“ sagt Thomas Jaenisch. Beim Thema Zukunft bleiben die Gründer entspannt. „Natürlich werden die Boshis irgendwann aus der Mode sein. Doch der Wunsch, etwas mit den eigenen zwei Händen zu schaffen, wird in einem digitalen Alltag eher noch wichtiger werden.“ So sah es auch die Jury des Deutschen Gründerpreises: „Wir sind sicher, dass myboshi die Ideen nicht ausgehen werden und sehen auch international noch sehr viel Potenzial.“