Schwarmstrom, der sich rechnet

Hendrik Sämisch und Jochen Schwill vernetzen kleine Stromerzeuger und treiben so die Energiewende voran. Dank eines schlauen Geschäftsmodells gehören die Kölner zu den Unternehmen mit dem stärksten Umsatzwachstum Deutschlands. Für diese Leistung wurde die Next Kraftwerke GmbH in der Kategorie Aufsteiger des Deutschen Gründerpreises nominiert. 

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Ökostrom fließt oft nur, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht, doch der Verbrauch richtet sich natürlich nicht nach dem Wetter. Bislang werden diese Schwankungen dadurch ausgeglichen, dass man konventionelle Kraftwerke zu- oder abschaltet, denn die Speicherung von Strom ist viel zu teuer. „Mit unserer Next-Box vernetzen wir viele kleine Stromerzeuger und sorgen durch eine intelligente Steuerung dafür, dass dann viel Ökostrom produziert wird, wenn er benötigt wird“, erklärt Gründer Jochen Schwill das Grundprinzip der Kölner Next Kraftwerke. Dazu stockt Next den Strom aus Solaranlagen und Windrädern je nach Bedarf durch das Zuschalten von Biogasanlagen auf, konventionelle Kraftwerke werden überflüssig. „So kann die Energiewende gelingen.“ Auch die Stromerzeuger profitieren: Dank der intelligenten Steuerung werden sie immer dann zugeschaltet, wenn viel Strom gebraucht wird und folglich an der Strombörse Höchstpreise gezahlt werden. „Mit uns verdient eine durchschnittliche Biogasanlage rund 20.000 Euro mehr pro Jahr.“ 

Jochen Schwill und Hendrik Sämisch

Die hochkarätig besetzte Expertenjury des Deutschen Gründerpreises war begeistert von der „spannenden Geschäftsidee am Puls der Zeit“ und dem „höchst innovativen Geschäftsmodell“. Das clevere Konzept hatten der Volkswirt Hendrik Sämisch und der Wirtschaftsingenieur Jochen Schwill ganz systematisch entwickelt, während ihrer Arbeit am Energiewirtschaftlichen Institut der Universität zu Köln. Die Energiespezialisten wollten zeigen, dass „Schwarmstrom“ nicht nur blanke Theorie ist, sondern auch in der Praxis funktionieren kann. Schnell war den beiden heute 33-Jährigen klar, dass sie für ihre Idee „relativ viel Geld“ brauchen würden. Aus den ursprünglich angedachten 300.000 Euro Startkapital wurden bis heute über fünf Millionen, finanziert über Beteiligungskapital. „Wir haben anfangs sowohl die Kosten als auch das Marktpotenzial unterschätzt.“ Trotz der großen Summen entschieden sich die beiden gegen die Fortsetzung ihrer Promotionen und für die Gründung. „Ich habe bei meinem Vater selbst miterlebt, dass eine Existenzgründung erfolgreich sein kann, deshalb war die Selbstständigkeit für mich immer eine Option“, erzählt Unternehmersohn Jochen Schwill. „Es war klar, dass wir nicht ewig an der Uni bleiben konnten“, ergänzt Mitgründer Hendrik Sämisch. „Wir wollten kein Rädchen bei einem großen Energiekonzern werden, sondern lieber verwirklichen, woran wir glauben.“ Nach zögerlichen Anfängen sind die Umsätze nach einer Gesetzesänderung im Jahr 2012 förmlich explodiert. „Wir waren schon auf dem Markt, hatten Kontakte aufgebaut und konnten sofort richtig durchstarten.“ In diesem Jahr wird Next voraussichtlich beeindruckende 170 Millionen Euro Umsatz machen. Diese „rasante Erfolgsgeschichte“ imponierte auch der Expertenjury des Deutschen Gründerpreises. Next habe „alle Umsatz- und Ertragserwartungen bestätigt und weiterhin ein hohes Wachstumspotenzial.“

Wir wollten kein Rädchen bei einem großen Energiekonzern werden, sondern lieber verwirklichen, woran wir glauben.

Hendrik Sämisch

Next Kraftwerke GmbH

Jochen Schwill
(0221) 820 085 50  

schwill@next-kraftwerke.de
www.next-kraftwerke.de

Schon jetzt deckt das erste kommerzielle virtuelle Kraftwerk Deutschlands mit mehr als 1000 Kunden die Hälfte des Marktes ab, meist Betreiber von Biogasanlagen. „Der Vertrieb war eine echte Herausforderung, wir hatten oft drei Termine am Tag.“ Momentan gründen die Kölner eine Tochtergesellschaft in Österreich. Außerdem soll Next in Deutschland weiter wachsen. Dabei gibt die Nominierung für den Deutschen Gründerpreis 2014 in der Kategorie Aufsteiger der Next Kraftwerke GmbH sicher einen Extra-Schub. „Wir haben uns sehr gefreut und hoffen, dass wir verstärkt in die öffentliche Wahrnehmung kommen“, sagt Schwill. „Außerdem freuen wir uns auf die Experten von Porsche Consulting und auf interessante Kontakte zu erfahrenen Unternehmern.“