Im Netz der Wissenschaft

ResearchGate verbindet Wissenschaftler auf der ganzen Welt und treibt so die Forschung voran. Der intensive Austausch spart Zeit und Geld für überflüssige Fehlversuche und sorgt außerdem für eine neue Fehlerkultur. Für diese erfolgreiche Innovation mit hohem gesellschaftlichem Nutzen wird ResearchGate mit dem Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises 2014 ausgezeichnet.

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Wenn Wissenschaftler ihren Job machen, stehen sie oft alleine da. Auf der ganzen Welt versteht meist nur eine Handvoll Spezialisten, worum es eigentlich geht, ein intensiver fachlicher Austausch ist kaum möglich. „Publiziert werden normalerweise nur die Erfolge. Von den Fehlversuchen auf dem Weg dahin hört man dagegen kaum etwas“, sagt Dr. Ijad Madisch, Gründer von ResearchGate in Berlin. Das ärgerte den Mediziner bei seinem Forschungsaufenthalt an der renommierten amerikanischen Elite-Universität Harvard. „Es nervte mich, Zeit und Energie in Versuche zu stecken, von denen andere wahrscheinlich schon wissen, dass das nicht klappt.“ Seine Idee: Ein soziales Netzwerk für Wissenschaftler, um sich während des Forschungsprozesses auszutauschen, Fragen zu stellen, Zwischenergebnisse zu publizieren. „Fehlversuche sind kein Versagen, sondern gehören bei der Suche nach der richtigen Lösung einfach dazu.“ 

Dr. Ijad Madisch bei der Entgegennahme des Deutschen Gründerpreises in der Kategorie Sonderpreis

Die Idee traf den Nerv der wissenschaftlichen Community. Schon sechs Jahre nach dem Start nutzt rund die Hälfte aller acht Millionen Forscher weltweit ResearchGate: Dann schickt beispielsweise ein nigerianischer Biologe Gewebeproben nach Italien, in denen ein neuartiger Krankheitserreger identifiziert wird oder ein pakistanischer Politikwissenschaftler tauscht sich mit einem Mediziner in Oxford über statistische Detailfragen aus. Die hochkarätig besetzte Expertenjury des Deutschen Gründerpreises war begeistert. „ResearchGate erkennt den Stellenwert von Fehlversuchen und spart so viel unnötige Forschungsarbeit. Mit diesem neuen Selbstverständnis kommt die Wissenschaft schneller voran.“ 

ResearchGate gilt heute als Vorzeigeunternehmen der deutschen Internetszene, letztes Jahr schaute sogar Angela Merkel vorbei. Dabei war Dr. Ijad Madisch mit seiner Idee anfangs nur auf wenig Gegenliebe gestoßen. Einen Erfolg konnte sich hierzulande kaum jemand vorstellen. Ganz anders dagegen die Reaktionen in den USA, wo der junge Arzt problemlos Unterstützung für sein innovatives Konzept fand. „In Amerika herrscht einfach ein anderer Gründergeist als in Deutschland.“ Aus den USA kommt auch die Finanzierung: Geldgeber sind unter anderem Matt Cohler, der schon Internetfirmen wie Facebook oder LinkedIn groß gemacht hat und Microsoft-Legende Bill Gates. 

ResearchGate GmbH

Danielle Bengsch
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„Für uns geht es vor allem darum, ein tolles Produkt zu machen, das die Leute im täglichen Leben weiterbringt“, sagt Madisch. An diesem Traum arbeiten derzeit 120 Spezialisten in Berlin. „Motivation kann man mit Geld nicht kaufen. Unsere Mitarbeiter wollen etwas Bedeutendes schaffen.“ Nach dem Vorbild US-amerikanischer Internetfirmen wird das Team aber auch mit zahlreichen Extras verwöhnt, etwa kostenlosem Mittagessen, Yogalehrern, Spielecken und Firmenanteilen. „Wir wollen ein Beispiel für eine neue Unternehmenskultur sein.“ 

Die Nutzung von ResearchGate ist gratis, Geld verdienen will das Unternehmen mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten wie einer Stellenbörse, einem Publikationstool oder einem Planungstool für Konferenzen. „Man kann nicht genau planen, wie es weitergeht, aber es ist sicher, dass ResearchGate etwas ganz Großes wird.“ So sehen es auch die namhaften Experten der Auswahljury, die den Berlinern den Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises verliehen, weil „das zukunftsfähige Geschäftsmodell von ResearchGate dazu beiträgt, die Welt für alle Menschen besser zu machen.“ Dr. Ijad Madisch war begeistert. „Die Auszeichnung mit dem renommierten Deutschen Gründerpreis ist eine tolle Bestätigung unserer Arbeit. Das zeigt, dass immer mehr Menschen verstehen, welchen Wert wir für die gesamte Gesellschaft schaffen.“