Traumtänzer mit Bodenhaftung

Bernhard Paul, Zirkus Roncalli, Köln Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises 2018

Wer kennt sie nicht, die magischen Welten des Zirkus Roncalli? Aus dem Nichts gestartet, begeistert Roncalli-Erfinder Bernhard Paul die Menschen seit über 40 Jahren mit immer neuen, fantasievollen Programmen und verbindet dabei höchst erfolgreich Kunst und Kommerz. Auch die hochkarätig besetzte Auswahljury des Deutschen Gründerpreises ließ sich von dem ebenso kreativen wie erfolgreichen Geschäftsmodell verzaubern. Die Experten ehrten Bernhard Paul mit dem Sonderpreis 2018.

Das Unternehmen im Überblick

Gründungsjahr 1976
Umsatz 2017 25 Mio. Euro
Mitarbeiter 220 plus Saisonkräfte

Ein echter Zirkus, so wie früher, damit hat sich Roncalli-Gründer Bernhard Paul 1976 einen Kindertraum erfüllen. Mit dem Zirkusvirus infizierte er sich schon als Kind, als ein Wanderzirkus in seinem kleinen österreichischen Heimatdorf Station machte. Artisten in Glitzer-Kostümen, Elefanten, Zebras – der kleine Bernhard war fasziniert. „Ich hatte mich besonders in die Clowns verliebt, Antihelden, die alles falsch machen und trotzdem geliebt werden.“ Damit war klar: Bernhard Paul wollte Zirkusclown werden. Doch nach dem Abitur studierte der Österreicher Design, langweilte sich danach als Art Director einer Zeitschrift und sammelte alles, was mit der Welt der Manege zu tun hatte. „Ich hatte mir einen alten Zirkuswagen gekauft, um meine Sammlung unterzubringen.“ Ehe er sich versah, hatte der damals 28-Jährige plötzlich drei solcher Wagen im Garten stehen „und dann habe ich eben meinen eigenen Zirkus gegründet“.

Ich hatte mich besonders in die Clowns verliebt, Antihelden, die alles falsch machen und trotzdem geliebt werden.

Bernhard Paul

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Wie man es von einer unerfüllten Liebe kennt, war der Zirkus seiner Kinderzeit für Bernhard Paul im Laufe der Jahre „zum schönsten Zirkus der Welt“ geworden. „Genau diese Idealbilder in meinem Kopf waren der Schlüssel zum Erfolg.“ Roncalli, das sind „Traumwelten, die den Menschen ein paar Stunden Glück schenken“. Die ersten Vorstellungen, in Kooperation mit André Heller, wurden vom Publikum und der Kritik begeistert gefeiert. Doch schon kurz danach zerstritten sich die beiden Künstler. „Ich stand mit Schulden da und musste bei Null wieder anfangen.“ Paul schlug sich mit Auftritten als Clown auf Veranstaltungen durch, gab seinen Traum aber nicht auf. „Es war nicht einfach, aber wenn es einfach wäre, könnte es ja jeder.“ Vier Jahre später dann die Wiedergeburt von Roncalli. Unvergessliche Nummern wie die legendären Seifenblasen von Pic, dem Clown begeisterten die Menschen. Seitdem reißt der Erfolg nicht mehr ab: Roncalli wächst und immer neue, kreative Programme entstehen. Bei der Auswahl neuer Nummern geht Paul ganz nach Gefühl. „Ich schaue, worüber ich selbst staune.“ Außerdem steht der 71-Jährige bis heute selbst als Clown in der Manege und spürt hautnah, was das Publikum mitreißt.

Auch wenn phantasievolle Traumwelten sein Metier sind – Bernhard Paul lebt im Hier und Jetzt. „Man muss zeitgemäß bleiben. Das Programm von 1980 könnte man heute so nicht mehr machen.“ Aktuell laufen beispielsweise Nummern mit Hologrammen; die klassische Tierdressur gibt es dagegen nicht mehr. „Früher gehörten Tiere einfach dazu, heute sind sie ein Anachronismus.“ Auch sonst ist man trotz des nostalgischen Designs up to date: Das Catering verzichtet auf Plastik, die Bratwurst ist Bio und Foodtrucks bieten angesagtes Streetfood. Zur Roncalli-Welt gehören inzwischen neben dem Zirkus auch ein Varieté, Märkte, Ausstellungen und eine Event-Agentur. In zwei Jahren will Paul in Köln den „Boulevard of Broken Dreams“ eröffnen, ein Erlebnis-Museum, das vergangene Zeiten wieder lebendig werden lässt, gestaltet mit alten und schönen Dingen aus seiner Sammlung. Den Kopf in den Sternen, aber beide Beine fest am Boden – so soll es auch in Zukunft weitergehen. Bernhard Pauls drei Kinder sind bereits in der Manege aktiv und werden Roncalli weiterführen.

Roncalli Unternehmensgruppe

Markus Strobl
T(0172) 829 39 80

media@roncalli.de
www.roncalli.de

Die Experten des Deutschen Gründerpreises staunten, mit welcher Energie und Kreativität der 71-Jährige den Zirkus immer wieder neu erfindet und damit auch wirtschaftlich sehr erfolgreich ist. Außerdem lobten sie das soziale Engagement des Künstlers, der verschiedene Stiftungen und Vereine unterstützt. Für diese wahrhaft artistische Leistung verlieh die Jury Bernhard Paul den Sonderpreis 2018. „Der Deutsche Gründerpreis ist wichtig, um das Unternehmertum zu fördern“, so der Roncalli-Gründer. „Das ist eine bedeutende Auszeichnung, weniger für mich als Person, als für den Zirkus überhaupt.“