Adaptx Systems

Die Idee klingt verblüffend einfach: Statt tonnenweise Kühlflüssigkeit durch Maschinen zu pumpen, wird die Wärme direkt am Werkzeug abgeführt. Aus diesem Ansatz entstand die Berliner AdaptX Systems GmbH. Die drei Gründer wollen eines der kostenintensivsten Elemente moderner Zerspanungsprozesse überflüssig machen. Industrieunternehmen testen bereits, ob aus der Forschungsidee ein neuer Standard für die Fertigung werden kann.

Wer in einer metallverarbeitenden Fabrik arbeitet, kennt sie: die milchige Flüssigkeit, die beim Drehen und Fräsen großer Metallteile permanent auf Werkzeuge und Werkstücke gespritzt wird. Die Schmierstoffe gehören seit Jahrzehnten zum Standard industrieller Zerspanung. Sie kühlen Werkzeuge, verursachen aber zugleich hohe Kosten, Energieverbrauch, Entsorgungsaufwand und gesundheitliche Belastungen für Beschäftigte. Dieses etablierte System wollen die Gründer der Berliner AdaptX Systems GmbH grundlegend verändern.

Ihre Lösung: Eine Art „Klimaanlage fürs Werkzeug“. Statt große Mengen Flüssigkeit durch Maschinen zu pumpen, wird die entstehende Wärme direkt am Werkzeug abgeführt. In der AdaptX-Kühleinheit zirkuliert ein Wasser-Glykol-Gemisch, das auf Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius heruntergekühlt wird. Zwischen Werkzeughalter und Schneidwerkzeug nimmt das Kühlaggregat die entstehende Wärme auf und transportiert sie in einem geschlossenen Kreislauf wieder zurück zur Kühleinheit. „Wir spritzen also nichts auf den Bearbeitungsprozess, sondern kühlen ausschließlich über den Kontakt“, erklärt Mitgründer Paul Meier. Das gesamte System bleibt trocken.

Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass die Kühlung genau an der kritischen Stelle wirkt. Bei der herkömmlichen Bearbeitung erreicht der Kühlschmierstoff häufig gar nicht den Bereich, in dem die höchsten Temperaturen entstehen.

An der TU Berlin beschäftigten sich die Maschinenbauingenieure Paul Meier (36) und Danny Schröter (37) mit Zerspanungsprozessen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts mit einem großen Werkzeugmaschinenhersteller entstand ein erster funktionsfähiger Prototyp der neuartigen Kühllösung. Die Versuche zeigten, dass sich Werkzeuge auch ohne klassische Kühlschmierstoff-Flut gezielt temperieren lassen.

Für Danny Schröter war schnell klar, dass die Technologie nicht in wissenschaftlichen Veröffentlichungen enden sollte. „In der Forschung erlebt man oft, dass gute Ideen entstehen, aber nie den Weg in den Markt finden“, sagt er. Viele Projekte verschwänden irgendwann „in der Schublade“, obwohl daraus marktfähige Produkte entstehen könnten. Gemeinsam mit Meier entschied er sich deshalb, aus der Forschung heraus zu gründen.

Verstärkung erhielten die beiden durch Tim Bornemann (31). Der Maschinenbauingenieur hatte zunächst in einem mittelständischen Industrieunternehmen gearbeitet und anschließend Erfahrungen in einem jungen Technologie-Start-up gesammelt.

Die Zerspanungsbranche gilt als konservativ. Deshalb konzentriert sich AdaptX zunächst auf Anwendungen, in denen sich wirtschaftliche Vorteile besonders klar nachweisen lassen. Zudem setzt das Unternehmen zunächst auf Nachrüstlösungen für bestehende Maschinen. Dadurch können Kunden die Technologie nutzen, ohne ihre komplette Produktionstechnik austauschen zu müssen. Aktuell spricht AdaptX vor allem produzierende Unternehmen an. Werkzeugmaschinenhersteller sollen erst dann als Vertriebspartner gewonnen werden, wenn die Nachfrage aus dem Markt nachweisbar ist.

Die wirtschaftlichen Effekte hängen stark vom jeweiligen Einsatzfall ab. AdaptX vermeidet deshalb pauschale Versprechen. Besonders attraktiv sei die Technologie dort, wo teure Werkzeuge eingesetzt werden, hohe Temperaturen entstehen oder anspruchsvolle Werkstoffe bearbeitet werden. Aktuell wird die Lösung in Pilotprojekten mit Industrieunternehmen getestet.

Die Markteintrittsstrategie: AdaptX konzentriert sich zunächst bewusst auf die Endanwender und nicht auf die Hersteller von Werkzeugmaschinen. „Ein Werkzeugmaschinenhersteller benötigt letztlich einen Endkunden, der sagt: ,Wir möchten dieses System haben.‘ Erst dann entsteht der Druck, die Technologie zu integrieren“, erklärt Bornemann. Solange dieser Marktnachweis fehlt, seien die Vertriebszyklen bei Maschinenherstellern häufig sehr lang.

Deshalb setzt AdaptX zunächst auf sogenannte Retrofit-Lösungen. Bestehende Maschinen werden nachgerüstet, ohne dass Unternehmen ihre gesamte Produktionstechnik austauschen müssen. Für viele Industriebetriebe ist das wirtschaftlich attraktiver, als in neue Maschinen zu investieren. Gleichzeitig eröffnet dieser Ansatz dem Start-up einen deutlich größeren adressierbaren Markt, da weltweit Millionen bestehender Werkzeugmaschinen im Einsatz sind.

Geografisch liegt der Fokus zunächst auf Deutschland und dem deutschsprachigen Raum. Erste Kontakte nach Spanien und Italien bestehen bereits, doch die Gründer wollen zunächst genau verstehen, in welchen Anwendungen ihre Technologie den größten Mehrwert liefert. Erst auf dieser Grundlage soll die internationale Expansion erfolgen.