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DeepDrive
Die Automobilindustrie sucht nach Wegen, Elektroautos effizienter und günstiger zu machen. Eine Antwort kommt jetzt aus Bayern. Mit einer neuartigen Motorentechnologie will DeepDrive aus Garching bei München den elektrischen Antrieb grundlegend verbessern. Dafür arbeiten sie bereits mit einigen der größten Fahrzeughersteller der Welt zusammen.
Elektroantriebe prägen zunehmend die strategische Ausrichtung der Automobilindustrie. Die Technik dahinter ist längst nicht ausgereizt. Reichweite, Rohstoffverbrauch und Kosten bleiben die entscheidenden Stellschrauben der Branche. Jeder Prozentpunkt mehr Effizienz kann die Batterie kleiner, das Fahrzeug günstiger und die Produktion ressourcenschonender machen. Genau hier setzt DeepDrive an. Das Unternehmen aus Garching entwickelt elektrische Antriebssysteme für die Automobilindustrie. Im Mittelpunkt steht eine neuartige Elektromotor-Technologie, die mit deutlich weniger Magnetmaterial und Eisen auskommt, zugleich effizienter arbeitet und dadurch die Kosten senkt – entweder als klassischer Zentralantrieb oder als Radnabenmotoren.
Die Geschichte von DeepDrive beginnt auf Rennstrecken wie Hockenheim, Silverstone und Spielberg. Dort trat das studentische Motorsportteam TUfast der Technischen Universität München gegen Unis aus aller Welt an – mit selbst entwickelten elektrischen Rennwagen. „Wir waren fast alle Teil von TUfast“, erinnert sich Co-CEO Felix Poernbacher. Sechs der sieben Gründer – neben Poernbacher Maximilian Habersbrunner, Dr.-Ing. Alexander Rosen, Markus Domme, Stefan Ender, Dean Petrovski und Christopher Römmelmayer – studierten an der TU München, bevor sie zunächst in unterschiedliche Bereiche der Industrie wechselten. Einige arbeiteten später bei Bosch, Audi, BMW Motorsport oder Infineon, andere in Beratung, Finanzierung oder Produktion. Gemeinsam vereinten sie Know-how aus Mechanik, Elektronik, Softwareentwicklung, Fertigung und Unternehmensaufbau.
Jahre später fanden die ehemaligen Teamkollegen wieder zusammen. „Uns war klar geworden, dass im Bereich elektrischer Antriebe noch enormes technologisches Potenzial steckt“, sagt Poernbacher. Gleichzeitig hätten die Gründer erlebt, „wie schwierig es in großen Konzernen sein kann, wirklich radikale Innovationen umzusetzen“. Die Erkenntnis: „Wenn wir diese Ideen verwirklichen wollen, müssen wir es selbst tun. Wir müssen unser eigenes Schnellboot bauen.“ Zu siebt! Eine ungewöhnlich große Gründungsmannschaft – jedoch der Komplexität des Vorhabens geschuldet: „Das Feld, in dem wir arbeiten ist extrem multidisziplinär.“
Bis heute prägt diese Arbeitsteilung das Unternehmen. Alexander Rosen verantwortet die Technologieentwicklung, Stefan Ender Produkt und Vertrieb, Felix Poernbacher Organisation und Strategie. Die übrigen Mitgründer arbeiten in zentralen technischen Funktionen. Für Poernbacher ist genau das Teil der Unternehmenskultur: „Bei uns steht das Unternehmen über den einzelnen Personen. Nicht jeder Gründer muss automatisch eine Führungsrolle haben.“
Wer verstehen will, was die Produktentwicklung von DeepDrive besonders macht, muss zunächst einen Blick auf den Aufbau eines Elektromotors werfen. Vereinfacht besteht dieser aus zwei Teilen: dem feststehenden Stator und dem rotierenden Rotor. Im Zusammenspiel von Magnetfeldern entsteht die Bewegung, die schließlich die Räder antreibt. Genau an diesem Grundprinzip setzt DeepDrive an. Während herkömmliche Elektromotoren mit einem einzelnen Rotor arbeiten, haben die Münchner einen sogenannten Doppelrotor entwickelt. „Vereinfacht gesagt bauen wir zwei Motoren in einen.“
Die Idee dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll: Wird die elektromagnetische Kraft auf zwei Rotoren verteilt, kann für die gleiche Leistung ein kompakterer Motor gebaut werden. Das spart Material, senkt die Kosten und erhöht die Effizienz. „Dadurch erhalten wir bei gleicher Leistung und gleichem Drehmoment einen kleineren Motor mit weniger Materialeinsatz, geringeren Kosten und höherer Energieeffizienz.“
Für Automobilhersteller ist das mehr als eine technische Spielerei. In der Elektromobilität zählen wenige Prozentpunkte oft über Erfolg oder Misserfolg eines Fahrzeugkonzepts. Jeder eingesparte Rohstoff reduziert die Produktionskosten, jede höhere Effizienz steigert die Reichweite oder ermöglicht kleinere Batterien. DeepDrive spricht von bis zu 20 Prozent höherer Effizienz, 50 Prozent weniger Magnetmaterial, 80 Prozent weniger Eisen und rund 30 Prozent Kostenvorteil gegenüber konventionellen Lösungen.
Das Unternehmen versteht sich dabei weniger als Entwickler eines einzelnen Motors, sondern als Anbieter einer Technologieplattform für verschiedene Fahrzeugkonzepte. Die Motoren können als klassischer Zentralantrieb eingesetzt werden oder als Radnabenmotor. Darüber hinaus verfolgt DeepDrive noch ein drittes Anwendungsgebiet: Generatoren für Hybridfahrzeuge und sogenannte Range Extender. Dabei erzeugt ein Verbrennungsmotor Strom für die Batterie. Auch hier soll die höhere Effizienz der Technologie Vorteile bringen.
„Wenn sich ein großer Hersteller entschließt, unsere Technologie in einem neuen Fahrzeugmodell einzusetzen, dann sprechen wir von Hunderttausenden oder sogar Millionen Einheiten“, sagt Co-CEO Felix Poernbacher. „Das entspricht Umsätzen von mehreren Hundert Millionen bis hin zu Milliarden Euro.“ Auf dem Weg dorthin arbeitet DeepDrive mit acht der zehn größten Automobilhersteller der Welt zusammen. „Wir kooperieren bewusst mit etablierten Industriepartnern, nutzen deren Stärken und ergänzen sie durch unsere eigenen.“ Diese Strategie zeigt sich auch auf Investorenseite. DeepDrive hat bislang rund 50 Millionen Euro Kapital eingeworben. Zu den Investoren zählen etwa BMW i Ventures, der von Volkswagen unterstützte Fonds Leitmotif sowie co-pace, die Venture-Capital-Einheit von Continental.