
- Flybaby
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Eine Babytrage, die nahezu fertig aus der Strickmaschine kommt, kaum Materialabfall verursacht und die Vorteile von Tragetuch und Trage kombiniert: Mit dieser Idee haben Elisabeth und Gesine Hillmann Flybaby aufgebaut. Die Industriedesignerinnen entwickelten das „nahtlose“ Produkt zunächst neben ihrer eigentlichen Arbeit im eigenen Designstudio. Aus dem langjährigen Entwicklungsprojekt entstand 2023 ihr Unternehmen, das inzwischen in mehr als einem Dutzend Länder aktiv ist.
Als Elisabeth (45) und Gesine Hillmann (41) vor einigen Jahren erstmals mit industrieller 3D-Stricktechnologie in Berührung kamen, dachten sie noch nicht an ein eigenes Unternehmen. Die beiden Industriedesignerinnen waren damals mit ihrem Berliner Designbüro beschäftigt und entwickelten Produkte für andere Auftraggeber. Doch die Möglichkeiten der Technologie ließen sie nicht los. Moderne Strickmaschinen können Produkte nahezu nahtlos in einem einzigen Fertigungsschritt herstellen – ein Verfahren, das vor allem aus der Sportartikelindustrie bekannt ist. „Uns hat gereizt, darüber nachzudenken, wie man sie sinnvoll nutzen könnte“, erinnert sich Gesine Hillmann.
Gleichzeitig standen beide vor denselben Herausforderungen wie viele junge Eltern. Kinderwagen, Wickeltasche, Tragetuch, Ersatzkleidung – schon ein kurzer Ausflug fühlte sich oft „wie ein halber Umzug“ an. Besonders klassische Babytragen empfanden sie als sperrig und wenig flexibel. Diese persönliche Erfahrung, kombiniert mit der Faszination für die Stricktechnologie mündete in ihre revolutionäre Produktidee: Eine Babytrage, die leichter, kompakter und anpassungsfähiger ist als herkömmliche Modelle.
„Wir haben das Produkt als Eigenprojekt entwickelt“, sagen sie rückblickend. Zeit und Budget waren begrenzt, die Entwicklung zog sich über Jahre hin. Als die Babytrage 2023 schließlich marktreif war, gründeten sie die Flybaby GmbH. Das Unternehmen entstand damit nicht am Anfang eines Gründungsprozesses, sondern am Ende einer langen Produktentwicklung.
Die Gründerinnen bringen dafür ungewöhnlich passende Voraussetzungen mit. Beide haben Industriedesign studiert und viele Jahre in internationalen Designagenturen gearbeitet. Elisabeth sammelte Berufserfahrung in der Schweiz und den Niederlanden, Gesine unter anderem in Forschung, Lehre und Produktentwicklung.
Der Begriff „3D-Stricktechnologie“ klingt futuristisch, beschreibt jedoch eine konsequente Weiterentwicklung industrieller Strickmaschinen. Anders als bei herkömmlichen Textilien werden nicht zunächst Stoffbahnen produziert, zugeschnitten und anschließend vernäht, sondern das Produkt in einem einzigen, kontinuierlichen Strickprozess hergestellt. „Man kann beispielsweise einen Pullover nahezu komplett ohne Nähte produzieren“, schildert Elisbaeth Hillmann. Dieses Prinzip nutzen die Berlinerinnen für ihre Babytrage.
Die Entwicklung erwies sich als deutlich komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint. Während sich viele industrielle Produkte heute vollständig digital modellieren lassen, funktioniert die Übersetzung in den Strickprozess nur begrenzt am Computer. Mit spezialisierten Entwicklungspartnern in Österreich arbeiteten sie über Jahre daran, die gewünschten Eigenschaften in das Strickmuster zu übertragen. Kein Wunder: Die Trage gehört zu den anspruchsvollsten Projekten, die sich mit der „3D“-Technologie umsetzen lassen.
Gerade bei Neugeborenen gelten Tragetücher als besonders komfortabel, weil sich der Stoff eng an Körper und Kind anschmiegt. Gleichzeitig empfinden viele Eltern das Binden eines Tragetuchs als kompliziert und fehleranfällig. „Wir haben versucht, die Vorteile eines Tragetuchs mit den Vorteilen einer Trage zu verbinden“, so Gesine Hillmann. Das Ergebnis ist ein Produkt, das sich durch unterschiedlich gestrickte Zonen gezielt verformen kann: Einige Bereiche sind stabil, andere besonders elastisch.
Die Strickstruktur verleiht der Babytrage eine eigenständige, moderne Ästhetik. „Sie sollte zudem nicht aussehen wie ein typisches Babyprodukt, sondern wie für Eltern entworfen.“ Entsprechend verzichteten die Designerinnen auf verspielte Elemente, entwickelten eine bewusst reduzierte Formensprache. „Uns war wichtig, auch Männer mitzudenken.“ Resultat: Optimierte Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Körpergrößen und Staturen.
Für die Markteinführung nutzte Flybaby eine Kickstarter-Kampagne als Bedarfstest, gefolgt von starker Präsenz auf Social Media, dank Influencer-Marketing. Dabei setzten die beiden Schwestern vor allem auf Kooperationen mit Eltern, die die Trage tatsächlich im Alltag nutzten. „Wenn den Influencerinnen das Produkt gefiel, nutzten sie es weiterhin in ihrem Alltag.“ Dadurch entstanden authentische Empfehlungen statt klassischer Werbekampagnen. Das entscheidende Plus: Sichtbarkeit im Alltag. Anders als viele andere Babytragen fällt Flybaby durch die Strickstruktur und das reduzierte Design auf.
Heute verkauft Flybaby seine Produkte bereits in 13 Ländern. Neben zahlreichen europäischen Märkten gehören Kanada, Taiwan, Südafrika und Großbritannien zum Vertriebsnetz.