
- mtex antenna technology
mtex antenna technology
Die Fotografie von schwarzen Löchern, die Steuerung von Raumsonden und der Empfang von Signalen aus den Tiefen des Universums haben eine unsichtbare Schlüsseltechnologie gemein: hochpräzise Antennen. mtex antenna technology aus Wiesbaden hat sich darauf spezialisiert. Das 2019 von einem Vater-Sohn-Team gegründete Unternehmen entwickelt Systeme für einige der anspruchsvollsten Wissenschafts-, Raumfahrt- und Kommunikationsprojekte der Welt und hat sich damit als gefragter Technologiepartner internationaler Forschungseinrichtungen etabliert.
Ins Leben gerufen wurde mtex vor sieben Jahren von Dr. Karl-Heinz Stenvers (73†) und seinem Sohn Lutz (47). Die Geschichte von mtex beginnt allerdings lange vor der eigentlichen Unternehmensgründung. Vater Karl-Heinz, ein Maschinenbauingenieur, gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Antennenindustrie. Er arbeitete zunächst bei Krupp und begleitete später die Entwicklung der Branche über verschiedene Unternehmensstationen hinweg.
Für den Sohn war der Weg früh vorgezeichnet. Lutz Stenvers wuchs buchstäblich zwischen Antennen und Teleskopen auf. „Ich bin mit diesem Thema groß geworden. Seit meinem 14. Lebensjahr bin ich weltweit unterwegs und arbeite an Antennen“, erzählt der mtex-Mitgründer. Während sein Vater Maschinenbau studierte, entschied er sich für Elektrotechnik. Die gemeinsame Leidenschaft blieb jedoch dieselbe. „Wir haben unser ganzes Leben lang über Teleskope und Antennen gesprochen – zu Hause am Esstisch und überall sonst.“
„Wenn man wirklich noch eine Stufe weitergehen und seinen eigenen Traum verwirklichen möchte, muss man unternehmerische Verantwortung übernehmen“, sagt Stenvers rückblickend. So entstand 2019 mtex antenna technology in Wiesbaden. Das Gründer-Duo startete mit einem kleinen Team hochspezialisierter Fachkräfte und dem Ziel, ihre Erfahrung in einem eigenen Unternehmen zu bündeln. Dabei ging es weniger um die Gründung eines klassischen Start-ups als um die konsequente Fortsetzung eines Lebenswerks.
Wer das Wort Antenne hört, denkt vermutlich an Mobilfunkmasten, die aussterbenden Stabantennen früherer Autos oder die Fernseh-Antennen, die vor Jahrzehnten jedes Hausdach zierten. Die mtex-Systeme spielen in einer völlig anderen Liga. Sie dienen dazu, Signale aus den entferntesten Regionen des Universums zu empfangen, Raumsonden über Milliarden Kilometer hinweg zu steuern oder riesige Datenmengen zwischen Erde und Weltraum zu übertragen.
Diese hochpräzisen Parabolantennen und Radioteleskope haben Reflektordurchmesser von zwei bis über 35 Meter. Es sind technisch hochkomplexe Systeme, die elektromagnetische Signale bündeln, empfangen oder senden können. „Man kann sie sich wie ein riesiges Ohr vorstellen“, erklärt Lutz Stenvers. Während herkömmliche Antennen Signale in viele Richtungen abstrahlen oder empfangen, konzentrieren sich die Anlagen von mtex auf einen exakt definierten Punkt im All.
Je größer ein solcher Reflektor ist, desto schwächer können die Signale sein, die sich empfangen lassen. Das ist entscheidend für wissenschaftliche Anwendungen, denn viele der Signale, die aus dem Weltall auf der Erde ankommen, sind extrem flau. Gleichzeitig steigen mit zunehmender Frequenz die Anforderungen an die Präzision dramatisch. „Je höher die Frequenz wird, desto präziser muss die Antenne beziehungsweise der Reflektor gefertigt sein“, sagt Stenvers. Bereits minimale Abweichungen können die Leistungsfähigkeit eines Systems erheblich beeinträchtigen.
Die Antennen entstehen nicht nur als klassische Stahlkonstruktionen, sondern als hochpräzise Ingenieurssysteme, bei denen Maschinenbau, Elektrotechnik, Hochfrequenztechnik, Softwareentwicklung und Strukturanalyse eng zusammenwirken. Die Herausforderung besteht darin, hunderte Tonnen Material so zu bewegen, dass die Anlage selbst bei heftigem Wind, bei Temperaturschwankungen oder in extremen Umweltbedingungen exakt auf ein Ziel ausgerichtet bleibt.
Zum Einsatz kommen die Systeme in unterschiedlichen Bereichen. In der Radioastronomie ermöglichen sie Wissenschaftlern, Regionen des Universums zu beobachten, die mit herkömmlichen optischen Teleskopen unsichtbar bleiben. Radiowellen können teilweise Gas- und Staubwolken durchdringen, die sichtbares Licht blockieren. Dadurch lassen sich etwa die Entstehung von Sternen, die Struktur ferner Galaxien oder die Umgebung Schwarzer Löcher untersuchen.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Raumfahrt. Über große Kommunikationsantennen werden Raumsonden und wissenschaftliche Missionen gesteuert, die weit über die Erdumlaufbahn hinaus operieren. „Über solche Systeme läuft die Kommunikation mit dem Deep Space, also mit allem, was weiter entfernt ist als der Mond“, erklärt Stenvers. Marsmissionen, Weltraumteleskope oder interplanetare Forschungsprojekte sind auf diese Infrastruktur angewiesen.
Die Märkte, in denen mtex tätig ist, gehören zu den technologisch anspruchsvollsten und zugleich exklusivsten der Welt. Zu den Auftraggebern zählen internationale Forschungseinrichtungen, Raumfahrtagenturen, Universitäten sowie Betreiber von Satelliten- und Kommunikationssystemen. Eine besondere Rolle spielt dabei das National Radio Astronomy Observatory (NRAO) in den USA, das zahlreiche bedeutende radioastronomische Anlagen betreibt. Für mtex entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem NRAO zu einem entscheidenden Wachstumstreiber.
Besonders sichtbar wird die neue Dimension des Marktes in Großprojekten wie einem aktuellen Vorhaben des California Institute of Technology (Caltech). Dort soll ein Verbund von rund 2.000 Antennen entstehen, deren Signale über Hochleistungsrechner zu einem gemeinsamen System verarbeitet werden.