Ambagon Technology

„Die derzeit meistverwendeten Unkrautvernichtungsmittel sind schon rund 25 Jahre auf dem Markt“, so Dr. Michael Weyand von Ambagon Technology.

„Diese Produkte sind giftig für den Anwender und verursachen auf Dauer außerdem erhebliche Umweltprobleme.“ Das soll nun anders werden. Der Chemiker will zusammen mit seinen drei Partnern am BioMedizinZentrum Dortmund einen neuen, für den Menschen unschädlichen Wirkstoff, auf der Basis von Fusicoccin entwickeln, der wesentlich umweltverträglicher ist als herkömmliche Produkte.

Totalherbizide wie Fusicoccin unterscheiden nicht zwischen Nutzpflanzen und Unkräutern. Solche Mittel werden einerseits zum Freihalten von Bahngleisen und ähnlichem benötigt, andererseits in der Landwirtschaft für die Vorbereitung der Äcker eingesetzt. „Der Bedarf an Herbiziden wird steigen, weil man die ständig wachsende Weltbevölkerung ja auch ernähren muss“, erklärt der Gründer. „In Zukunft wird deshalb die Umweltverträglichkeit der Produkte immer wichtiger werden, denn sonst ist der ökologische Kollaps vorprogrammiert.“

„Der Wirkmechanismus von Fusicoccin ist grundsätzlich anders als der der bisherigen Produkte“, so Michael Weyand. „Es greift nicht in den Stoffwechsel ein, sondern sorgt dafür, dass die Pflanze austrocknet.“ Dabei imitieren die Wissenschaftler das Vorgehen der Natur. Jede Pflanze hat mikroskopisch kleine so genannte Atemöffnungen, die sie öffnen und schließen kann, um ihre Wasserverdunstung zu regulieren. Dr. Christian Ottmann aus dem Gründungsteam analysierte in seiner Promotion, wie bestimmte Pilze, die sich von abgestorbenen Pflanzen ernähren, in diesen Mechanismus eingreifen. Sie geben Substanzen ab, die dafür sorgen, dass die Pflanze ihre Atemöffnungen nicht mehr schließen kann. Dadurch verdunstet die Feuchtigkeit unkontrolliert und die Pflanze stirbt.“

Wir haben die Anwendungsmöglichkeiten natürlich sofort gesehen und deshalb gezielt nach einem Molekül gesucht, mit dem man diesen Wirkmechanismus imitieren kann“, so die Wissenschaftler. Die Grundlagenforschung ist inzwischen weitgehend abgeschlossen und das Team hat sich seine Forschungsergebnisse durch Patente umfassend schützen lassen. „Bei der Patentanmeldung muss man die wirtschaftliche Umsetzung der Entwicklung sowieso darlegen“, erzählt Michael Weyand. „Dadurch haben wir das Know-how und wir haben Lust, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Deshalb wollen wir Ambagon gründen.“

Das neue Totalherbizid soll weltweit vertrieben werden, denn der Markt für das neue Produkt ist riesig. Das ist jedoch noch Zukunftsmusik. Bis zur Markteinführung sind noch kostenintensive Forschungsarbeiten notwendig. „In den nächsten Jahren müssen wir den Wirkstoff noch modifizieren. Derzeit sprechen wir mit verschiedenen Geldgebern über die Finanzierung dieser Studien. Die besten Chancen rechnen wir uns bei einem BMBF-Förderprogramm aus“, so Michael Weyand. „Für die eigentliche Markteinführung werden wir danach Lizenzen an Kooperationspartner vergeben. Auch hier knüpfen wir bereits erste Kontakte.“

Ein klares Geschäftsmodell und die hohe Umweltverträglichkeit des ungiftigen Wirkstoffs brachte Ambagon Technology die Nominierung für den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Konzept ein. „Wir hatten uns bei diesem bundesweiten Wettbewerb eigentlich keine großen Chancen ausgerechnet,“ so die Wissenschaftler. „Das hat uns einen riesigen Motivationsschub gegeben.“ Das Team hofft nicht nur auf das Interesse von Experten und Geldgebern, sondern will auch Mut zur Selbständigkeit machen. „Es wird honoriert, dass wir nicht den sicheren Weg gehen wollen“, so Michael Weyand. „Die Nominierung zeigt, dass auch innovative, aber risikoreiche Gründungen aussichtsreich sein können.“