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OHB SE - Kategorie 2026 Sonderpreis Von Bremen ins Weltall: Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises für Unternehmerin Christa Fuchs
Raumfahrt war lange eine Domäne von Staaten und internationalen Großkonzernen. Christa Fuchs ließ sich davon nicht beeindrucken. Mit Mut, Hartnäckigkeit und der Bereitschaft, große Risiken einzugehen, führte sie einen kleinen Bremer Betrieb in eine Industrie, in der für mittelständische Unternehmen kaum Platz vorgesehen war. Sie formte ein Unternehmen, das heute zu den prägenden Playern der europäischen Raumfahrt zählt. Die Unternehmerin behauptete sich in einer Welt großer Namen, großer Programme und großer Interessen, hielt auch in schwierigen Phasen Kurs und schuf die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür, dass aus technischer Vision nachhaltiger Erfolg werden konnte. Für diese außergewöhnliche Leistung wurde Christa Fuchs (88), eine der prägenden Unternehmerpersönlichkeiten der deutschen Raumfahrt, heute [08.09.2026] von den Partnern des Deutschen Gründerpreises – Sparkassen, ZDF, Porsche und FAZ – in Berlin mit dem Sonderpreis des Deutschen Gründerpreises 2026 ausgezeichnet.
Als Christa Fuchs 1981 bei der Otto Hydraulik Bremen einstieg, deutete wenig darauf hin, dass daraus einmal eines der führenden europäischen Raumfahrtunternehmen werden würde. Fünf Mitarbeiter beschäftigte der kleine Betrieb, der Schiffssysteme wartete. Für die junge Unternehmerin hatte die Werkstatt zunächst einen ganz anderen Reiz: „Ich wollte gerne selbständig sein. Zudem hat mich die Werkstatt am Hemelinger Hafen an die Schlosserei meines Vaters erinnert.“ Mit den Gründern, der Familie Otto, habe sie sich zudem gut verstanden. „Ich hatte das Gefühl, dass die Firma gut zu mir passt.“
1982 übernahm die gelernte Kauffrau die unternehmerische Führung. Die große Vision vom Raumfahrtkonzern war gefühlt noch Lichtjahre entfernt. „Anfangs musste ich ja erst einmal das Geschäft verstehen, die Kunden und was da alles dazugehörte“, erinnert sich Fuchs. Sie begann, den kleinen Handwerksbetrieb weiterzuentwickeln und Ingenieure und Fachkräfte einzustellen.
Dass Anfang der 1980er-Jahre eine Frau ein solches Unternehmen führte, beschäftigte sie selbst kaum. Andere Unternehmerinnen kannte sie nicht. „Ich hab mich da einfach so drauf eingelassen und hab auch nicht so richtig gefragt: Wäre das für einen Mann einfacher? Dafür hatte ich gar keine Zeit.“
Mit ihrem Ehemann Manfred Fuchs zog wenige Jahre quasi das Weltall bei OHB ein. Der Raumfahrtingenieur war von MBB-ERNO in die Firma seiner Frau gewechselt, der Schritt in die Selbstständigkeit lag auch ihm nahe. „Manfred kam genau wie ich auch aus einem unternehmerischen Elternhaus. Auch er wollte gerne sein eigener Chef sein“, erzählt Christa Fuchs. „Dass wir dann in die Raumfahrt eingestiegen sind, lag auf der Hand.“

| Die Gründer | Romana Fuchs-Mayrhofer, Marco Fuchs |
Manfred Fuchs brachte technisches Know-how ins Unternehmen, ebenso einen ausgeprägten Drang, Neues auszuprobieren. Christa Fuchs übernahm dabei die Rolle, die technischen Möglichkeiten immer wieder mit den wirtschaftlichen Realitäten abzugleichen. „Mein Mann konnte schnell viele Leute für seine Ideen begeistern.
Ich habe immer gefragt: ‚Brauchen wir das? Warum ist das so teuer?‘“
Was zunächst wie ein Gegensatz klingt, wurde zu einem wesentlichen Teil des Erfolgsmodells von OHB: hier der Raumfahrtingenieur und technische Visionär, dort die Kauffrau, die auf solide Finanzen achtet. „Ich habe immer sehr streng auf die Zahlen geschaut, da bin ich eher konservativ rangegangen.“ Die unterschiedlichen Temperamente – ein Erfolgsrezept: „Wenn wir uns nicht so gut ergänzt hätten, wäre es wahrscheinlich anders ausgegangen mit OHB.“
Der Weg vom kleinen Bremer Betrieb zum Satellitenbauer vollzog sich nicht über Nacht. Aus „Otto Hydraulik Bremen“ war inzwischen „Orbital- und Hydrotechnologie Bremen“ geworden, später nur noch die Abkürzung OHB. 1994 wurde schließlich sichtbar, wie weit das Unternehmen gekommen war: Mit BremSat startete der erste von OHB gebaute Satellit ins All – an Bord des Space Shuttle „Discovery“. Für Christa Fuchs war der Moment weniger von Triumph als von Anspannung geprägt. „Ich dachte nur: Hoffentlich geht das gut!“
OHB begann zunehmend, sich auch dort etwas zuzutrauen, wo man gegen wesentlich größere Raumfahrtkonzerne antrat. „Wir waren einfach mutig und haben auf das technische Know-how unserer Leute vertraut“, sagt Fuchs. Sie selbst sei nie tief in die Technik eingestiegen. Dafür habe ihr Mann beurteilen können, was er und seine Mitarbeiter leisten konnten. Dabei sei er von einer einfachen Erkenntnis ausgegangen: „Die Physik ist für die großen Firmen genau die gleiche wie für uns.“
Die eigene Größe versuchte OHB dabei nicht zu kaschieren, sondern zum Vorteil zu machen. „Kleiner, agiler, kürzere Wege, mehr Verantwortung für den Einzelnen“ – aus diesen Besonderheiten habe man Vorteile ziehen wollen, erinnert sich Fuchs. „Das hat oft geklappt.“ Jahre später sollte OHB mit Projekten wie dem Satelliten-Aufklärungssystem SAR-Lupe und den Galileo-Navigationssatelliten endgültig in die erste Liga der europäischen Raumfahrt aufsteigen.
Mit dem Wachstum veränderten sich die Dimensionen der Projekte, nicht aber Christa Fuchs’ Blick auf das Unternehmen. Sie blieb diejenige, die streng auf die Zahlen achtete. Dass daraus später ein Milliardenunternehmen werden würde, war in den Anfangsjahren keineswegs absehbar. „In den ersten Jahren hatten wir schon öfters Geldsorgen“, erinnert sie sich. Besonders unangenehm sei es für sie gewesen, ausstehendem Geld hinterherzulaufen. Später waren es nicht mehr unbezahlte Rechnungen allein, die Sorgen bereiteten. Wer Satelliten baut, muss damit leben, dass trotz jahrelanger Arbeit und größter Sorgfalt etwas schiefgehen kann. Fehlstarts seien selten gewesen, sagt Fuchs, aber wenn ein Satellit starte und anschließend nicht funktioniere, sei das „schrecklich“. Besonders schwer wog für sie dabei nicht nur der wirtschaftliche Rückschlag: „Die Kunden und die eigenen Leute so tief enttäuscht ... Aber wir als Chefs mussten trotzdem optimistisch bleiben.“
Auch als OHB längst mit den großen Namen der Branche konkurrierte, setzte das Unternehmen auf Eigenschaften, die schon den kleineren Betrieb ausgezeichnet hatten. Verantwortung sollte möglichst dort liegen, wo die Ideen entstanden. Dieses Prinzip erkennt Fuchs bis heute wieder: „Wenn bei OHB einer eine gute Idee hat, dann soll er die gerne eigenverantwortlich umsetzen“, sagt sie. Und noch etwas sei trotz des Wachstums geblieben: „Ich glaube, dass sich bei OHB noch ganz viele wirklich mit der Firma identifizieren, die sehen sich als Teil der OHB-Familie.“
Aus den fünf Mitarbeitern am Hemelinger Hafen sind inzwischen mehr als 4.000 Beschäftigte geworden. Aus dem kleinen Bremer Betrieb ist ein Raumfahrt- und Technologieunternehmen entstanden. Und aus dem Unternehmen, das Christa Fuchs zunächst allein führte und später gemeinsam mit ihrem Mann prägte, wurde über die Jahrzehnte auch im wörtlichen Sinne ein Familienunternehmen.
1995 kam Sohn Marco Fuchs zu OHB. Der Jurist hatte zuvor als Rechtsanwalt in New York und Frankfurt gearbeitet und
übernahm später die Führung des Unternehmens. Für Christa Fuchs ist die Fortführung innerhalb der Familie weit mehr als eine Frage der Eigentumsverhältnisse. „Mir ist das sehr wichtig, weil OHB für mich ebenfalls Familie ist“, sagt sie. Inzwischen ist bereits die nächste Generation im Unternehmen angekommen: „Seit ein paar Monaten ist auch mein Enkel Konstantin in der Firma, das finde ich toll.“
Dass OHB langfristig ein Familienunternehmen bleiben soll, hat Christa Fuchs auch strukturell über eine Familienstiftung abgesichert. Deren Zweck ist ausdrücklich auf die Sicherung, Erhaltung und Fortführung von OHB gerichtet.
Für Christa Fuchs selbst kam schließlich der Zeitpunkt, Verantwortung endgültig abzugeben. Mehr als zwei Jahrzehnte hatte sie in der Geschäftsführung gewirkt, danach gehörte sie dem Aufsichtsrat an und führte ihn viele Jahre als Vorsitzende. 2024 schied sie auch aus diesem Gremium aus. Schwergefallen sei ihr dieser Schritt nicht: „Es hat alles seine Zeit, und für mich war es die richtige Entscheidung.“
45 Jahre nachdem sie einen Fünf-Mann-Betrieb übernommen hat, kann Fuchs auf eine Entwicklung zurückblicken, die sie selbst damals nicht vorhergesehen hatte. Vielleicht passt deshalb gerade ihr Rat an die junge Unternehmerin von 1981 so gut zu ihrer Geschichte. Er handelt weder von Wachstumsstrategien noch vom Weltall oder von großen unternehmerischen Visionen. Ihr Rat an das jüngere Ich: „Nicht alles so ernst nehmen! Es geht häufiger gut als man denkt. Ich habe mir wirklich oft Sorgen gemacht, die gar nicht nötig waren.“
Für ihren wortwörtlichen Griff nach den Sternen würdigt auch Bundesraumfahrtministerin Dorothee Bär die Bremer Unternehmerin: „Danke, liebe Frau Fuchs, für Ihren Weitblick. Kein Zweifel: Sie gehören zu unseren Besten. Sie inspirieren andere. Sie sind ein Vorbild als innovative Gründerpersönlichkeit.“ OHB sei heute ein
Unternehmen, „auf das wir stolz sind, weil es Hightech liefert ‚Made in Germany‘.“