- StartUp: Proxima Fusion will mit Kernfusion vom Forschungstraum zum kommerziellen Kraftwerk
- Aufsteiger: DeepDrive baut neuen E-Auto-Motor mit zwei Rotoren, acht Autokonzerne kooperieren
- Lebenswerk: Dirk Roßmann baut aus erstem Selbstbedienungs-Drogeriemarkt einen Milliardenkonzern
- Sonderpreis für OHB-Unternehmerin Christa Fuchs: Aus Bremen in die erste Liga der Raumfahrt
Die Energie der Sterne auf die Erde holen: Proxima Fusion aus München, Preisträger des Deutschen Gründerpreises in der Kategorie StartUp, arbeitet an Fusionskraftwerken, die künftig gewaltige Mengen Energie rund um die Uhr und nahezu CO₂-frei liefern könnten – unabhängig davon, ob der Wind weht oder die Sonne scheint. Seit Jahrzehnten forschen Wissenschaftler weltweit mit Milliardeninvestitionen daran, die Kernfusion als Energiequelle nutzbar zu machen. Das 2023 als erstes Spin-off des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Garching gegründete Unternehmen will nun aus der „Energie der Zukunft“ tatsächlich nutzbare Energie machen. Mehr als 200 Spitzenforscher, Ingenieure und Softwareexperten arbeiten bereits daran. Laudator Dr. Norbert Himmler, Intendant des ZDF: „Sie haben sich ein gewaltiges Ziel gesetzt: Schon 2030 soll ein erster Demonstrator zeigen, dass Ihre Idee funktioniert, danach soll ein kommerzielles Fusionskraftwerk folgen. Dass Investoren Ihnen dafür allein in diesem Jahr 411 Millionen Euro anvertrauen, zeigt, wie groß der Glaube an Ihre Idee und deren Umsetzung ist. Für solche Gründergeschichten braucht es Menschen, die genauso groß denken.“
Der Motor für die nächste E-Auto-Generation: DeepDrive aus Garching bei München, als Aufsteiger ausgezeichnet mit dem Deutschen Gründerpreis, will mit einer neuartigen Motorentechnologie Elektroautos effizienter, günstiger und ressourcenschonender machen. Statt wie herkömmliche Elektromotoren mit einem Rotor arbeitet die Entwicklung der sieben Gründer mit zwei Rotoren – vereinfacht gesagt stecken damit „zwei Motoren in einem“. Das spart Material und Kosten und kann zugleich die Reichweite erhöhen oder kleinere Batterien ermöglichen. Die gemeinsame Geschichte der Gründer begann mit selbst entwickelten Elektro-Rennwagen an der Technischen Universität München; heute arbeitet DeepDrive mit acht der zehn größten Automobilhersteller der Welt zusammen. Laudator Dr. Michael Leiters, Vorsitzender des Vorstands der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG: „Die Geschichte von DeepDrive begann in einem Keller – mit einer Gruppe von Freunden, einem Induktionsherd, einem Backofen und einer gemeinsamen Idee. Heute arbeitet ein ganzes Unternehmen daran, die Mobilität der Zukunft mitzugestalten. Das ist eine herausragende Gründergeschichte: Ingenieurskunst trifft auf unternehmerischen Mut und den Willen, eine Idee zum Erfolg zu führen. Genau das bedeutet ,Made in Germany‘ heute.“
Jeweils drei Unternehmen sind Finalisten des Deutschen Gründerpreises in den Kategorien Aufsteiger und StartUp.
Dazu gehörten in diesem Jahr als Aufsteiger auch mtex antenna technology aus Wiesbaden, die hochpräzise Antennen für anspruchsvollste Wissenschafts- und Raumfahrtprojekte entwickeln, sowie Pixel Photonics aus Münster, die mit hochempfindlichen Detektoren einzelne Lichtteilchen sichtbar machen und diese Technologie für Quantencomputer, sichere Kommunikation und künftige Diagnoseverfahren industriell skalierbar machen wollen. Als StartUp bis unter die Finalisten schafften es zudem AdaptX Systems aus Berlin mit einer Technologie, die bei der Metallbearbeitung Wärme direkt am Werkzeug abführt und damit große Mengen Kühlflüssigkeit ersetzt, sowie Flybaby aus Berlin mit einer nahtlos gestrickten Babytrage, die die Vorteile von Tragetuch und Trage kombiniert und kaum Materialabfall verursacht.
Die Preisträger und Finalisten in den Kategorien StartUp und Aufsteiger erhalten eine individuelle, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Beratung durch die Porsche Consulting. Zudem übernehmen Mitglieder des Kuratoriums des Deutschen Gründerpreises über einen Zeitraum von zwei Jahren Mentorenschaften für jeden Finalisten und stellen ihr Know-how und ihre Erfahrungen zur Verfügung. Die Unternehmen erhalten außerdem ein Medientraining beim ZDF sowie Zugang zum Netzwerk des Deutschen Gründerpreises.
Der Deutsche Gründerpreis für Schüler:innen war bereits am 18. Juni 2026 in Frankfurt/Main verliehen worden. Im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin nun wurde das Siegerteam „IceGreen“ vom Heiliggeist-Gymnasium in Würselen von Prof. Dr. Ulrich Reuter, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, gewürdigt. Reuter: „Streusalz hilft gegen Eis, gelangt aber auch in Böden und Grundwasser, schädigt Pflanzen und Tierpfoten und greift Autos, Straßen und Brücken an. Das Team von IceGreen hat sich damit nicht abgefunden, sondern gefragt: Geht das nicht besser? Aus einer alltäglichen Beobachtung wurde eine Geschäftsidee, aus einem Problem ein Produkt – viel besser kann man kaum zeigen, was wir mit dem Deutschen Gründerpreis für Schüler:innen erreichen wollen.“ Die drei Schüler:innen entwickelten für ihr fiktives Start-up ein biologisch abbaubares Winter-Streumittel aus Neben- und Restprodukten der Papierherstellung, Forstwirtschaft und Biodieselproduktion, das eine umweltfreundlichere Alternative zu herkömmlichem Streusalz bieten soll.
Raumfahrt war lange eine Domäne von Staaten und internationalen Großkonzernen. Christa Fuchs ließ sich davon nicht beeindrucken: Aus einem kleinen Bremer Betrieb mit fünf Mitarbeitern formte sie gemeinsam mit ihrem Mann Manfred ein Unternehmen, das heute mit mehr als 4.000 Beschäftigten zu den prägenden Playern der europäischen Raumfahrt zählt. Als Kauffrau hielt sie die technischen Visionen ihres Mannes auf wirtschaftlichem Kurs, trat mit OHB gegen wesentlich größere Raumfahrtkonzerne an und schaffte mit Projekten wie dem Satelliten-Aufklärungssystem SAR-Lupe und den Galileo-Navigationssatelliten den Aufstieg in die erste Liga der europäischen Raumfahrt. Für diese außergewöhnliche unternehmerische Leistung verliehen die Partner des Deutschen Gründerpreises Christa Fuchs den Sonderpreis der Partner des Deutschen Gründerpreises. Bundesraumfahrtministerin Dorothee Bär: „Danke, liebe Frau Fuchs, für Ihren Weitblick. Kein Zweifel: Sie gehören zu unseren Besten. Sie inspirieren andere. Sie sind ein Vorbild als innovative Gründerpersönlichkeit.“ OHB sei heute ein Unternehmen, „auf das wir stolz sind, weil es Hightech ,Made in Germany‘ liefert.“
Mit dem ersten Selbstbedienungs-Drogeriemarkt Deutschlands revolutionierte Dirk Roßmann 1972 eine Branche. Aus einer Filiale in Hannover formte er in fünf Jahrzehnten eines der bedeutendsten Drogerieunternehmen Europas mit tausenden Filialen, zehntausenden Beschäftigten und einem Jahresumsatz in zweistelliger Milliardenhöhe. Dabei versteht Roßmann sein Lebenswerk nicht allein als unternehmerischen Erfolg: Aus dem jungen Mann mit Volksschulabschluss wurde ein erfolgreicher Autodidakt, Stifter und Bestsellerautor; sein gesellschaftliches Engagement reicht von Bildungsprojekten bis zur Entwicklungszusammenarbeit. Für sein beeindruckendes Lebenswerk und seinen nachhaltigen Einfluss auf die deutsche Wirtschaft wurde er mit dem Deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Über den Unternehmer sagte Dr. Patrick Bernau, Leiter der Ressorts Wirtschaft und Wert der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, in seiner Laudatio: „Gute Ideen haben viele. Aber man muss sie auch umsetzen. Aus Mut wird Beharrlichkeit. Aus einer Filiale werden hundert, aus hundert werden tausende. Dirk Roßmann hat das getan. Er hat nicht ein Unternehmen aufgebaut, das zufällig einer Familie gehört. Er hat ein Familienunternehmen geschaffen – auch als Haltung.“
Moderatorin Barbara Hahlweg führte durch die Veranstaltung.
Über den Deutschen Gründerpreis und den Deutschen Gründerpreis für Schüler:innen
Der Deutsche Gründerpreis gilt als die bedeutendste Auszeichnung für herausragende Unternehmerpersönlichkeiten in Deutschland und zählt zu den renommiertesten Wirtschaftspreisen des Landes. Seit 1997 wird der Preis an erfolgreiche Gründerinnen und Gründer sowie ihre Unternehmen verliehen, um ihre Leistungen sichtbar zu machen und sie durch vielfältige Unterstützung weiter zu fördern. Der Preis wird jährlich in den Kategorien Schüler:innen, StartUp, Aufsteiger und Lebenswerk verliehen. Außergewöhnliche unternehmerische Leistungen können zudem mit einem Sonderpreis gewürdigt werden.
Ausgelobt wird der Deutsche Gründerpreis von den Partnern Sparkassen, ZDF, Porsche und Frankfurter Allgemeine Zeitung. Unterstützt wird der Preis von einem hochkarätig besetzten Kuratorium, das die Finalisten und Preisträger im Rahmen eines Mentorings unterstützt. Zusätzliche Förderer des Deutschen Gründerpreises sind die Süddeutsche Zeitung und die Versicherungen der Sparkassen. Als Kooperationspartner wirkt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit.
Der Deutsche Gründerpreis für Schüler:innen (DGPS) ist das größte Planspiel zur Existenzgründung in Deutschland und eine Kategorie des Deutschen Gründerpreises. Ziel der Partner ist es, das Gründungsklima im Land zu stärken und junge Menschen zur Selbstständigkeit zu ermutigen. Der DGPS richtet sich gezielt an den Nachwuchs und vermittelt Schüler:innen frühzeitig unternehmerische Handlungskompetenzen. Dieses Anliegen wird auch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt. Seit 1999 haben bereits über 98.000 Schüler:innen am DGPS teilgenommen.
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